Stichwort: Miliz, paramilitärischer Verband oder Guerilla

26. Juli 2006, 08:59
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Versuch einer Begriffsklärung

Wien - Obwohl sich die Bezeichnung Hisbollah-Miliz für die bewaffneten Verbände der pro-iranischen Hisbollah (Partei Gottes) im Libanon eingebürgert hat, sind diese Kämpfer keine Miliz im eigentlichen Sinn. Eine Miliz (von den lateinischen Begriffen miles, Soldat, und militia, Summe der Soldaten) untersteht in der Regel einer staatlichen Kontrolle. Die Hisbollah-Verbände entziehen sich dieser Kontrolle mit Absicht und dienen Parteiinteressen im Machtgefüge des Libanon. Zweifellos kann man die Hisbollah-Verbände als paramilitärische Einheiten bezeichnen. Sie entsprechen auch der Definition einer Guerrilla.

Miliz

Als Miliz bezeichnet man jene Streitkräfte eines Landes, die im Gegensatz zu einem stehenden Heer aus Berufssoldaten oder langfristig dienenden Wehrpflichtigen nach einer relativ kurzen Grundwehrzeit wieder nach Hause gehen und dort auf Abruf bereitstehen. Eine klassische Miliz ist die Schweizer Armee, deren Kaderverbände im Bedarfsfall auf Sollstärke aufgefüllt werden. Auch die Nationalgarde der US-Staaten sind Milizverbände, die nach einer kurzen, meist als Wochenenddienst geleisteten Ausbildungsphase aus dem Privatleben heraus jederzeit aufgerufen und zum Einsatz geschickt werden können, wie es derzeit unter anderem im Irak geschieht.

Freischärler

Da die Hisbollah-Verbände keiner staatlichen Kontrolle unterliegen, sind sie auch keine Freischärler im engeren Sinn. Freischärler sind Angehörige einer paramilitärischen Formation, der so genannten Freischar. Sie nehmen freiwillig ohne Ermächtigung einer der kriegsführenden Staaten an einem Krieg teil, unterstellen sich aber einer Staatsmacht. Mit den Genfer Konventionen erhielten Freischärler Kombattantenstatus, wenn sie eine Organisationsstruktur haben, ein erkennbares Zeichen tragen, die Waffen sichtbar bei sich führen und sich während der Kämpfe an die Gesetze des Krieges halten. Sie haben ein Anrecht auf humane Behandlung und einen ordentlichen Prozess.

Paramilitär

Als Paramilitär (vom griechischen para, neben, und lateinischen miles, Kämpfer oder Soldat) werden nicht-staatliche, militärisch organisierte Gruppierungen bezeichnet, die sich polizeiliche oder militärische Kompetenzen anmaßen, um eigene Ziele mit Gewalt durchzusetzen. Auch irreguläre Verbände, die im Auftrag fremder Staaten in anderen Staaten eingreifen, werden als Paramilitärs bezeichnet. Als Rechtfertigung ihres Handelns dient den Paramilitärs oft die angebliche Schwäche des Staates oder seines Rechtssystems gegenüber einer 'Subversion' oder äußeren Gefahr, sie berufen sich häufig auf eine angebliche Notwehrsituation von Gesellschaft und Staat.

Guerilla

"Guerrilla" ist die Verkleinerungsform von guerra (Krieg) und bedeutet "Kleiner Krieg". Ein entscheidendes Kennzeichen der Guerilla ist ihre hohe Mobilität und Flexibilität, oft kombiniert mit dem Fehlen der Identifizierbarkeit als 'rechtmäßiger Kombattant'. Guerilla-Einheiten sind in ständiger Bewegung, um dem militärisch überlegenen Gegner auszuweichen. Die klassische Landguerilla operiert meist aus den Bergen heraus. Sie ist auf die Unterstützung der Landbevölkerung angewiesen, die sie mit Nahrungsmitteln und Informationen versorgt.

Von großer Bedeutung für die Guerillabewegung ist die Frage der "Belligerenz", die Anerkennung als kriegführende Partei. Die politische Anerkennung durch Staaten von internationaler Bedeutung oder die Anerkennung als Verhandlungspartner durch den Gegner bildet die Grundlage für die Erreichung der politischen Ziele der Guerilla. Erst als kriegführende Partei können gefangene Guerilla-Kämpfer ihren Rechtsstatus als Kriegsgefangene geltend machen.

Ohne den Status als völkerrechtlich legal bewaffnete Kriegsteilnehmer ("Kombattanten") werden Guerilla-Kämpfer als Kriminelle behandelt. Die Gegner der Guerilla werden versuchen, die Anerkennung als kriegführende Partei zu verhindern und die Guerilla sprachlich wie politisch zu kriminalisieren: Verbrecherbanden, Terroristen oder Agenten einer fremden Macht... (APA)

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