Tony Palmer "wollte nicht provozieren"

20. Juli 2007, 16:43
1 Posting

Regisseur: "Ich bin enttäuscht, dass ein Teil des Direktoriums den Film zensurieren wollte."

Salzburg - Er habe mit seinem Film "The Salzburg Festival" keineswegs provozieren wollen, "sondern die Verbindung zwischen Kunst und Politik aufzeigen", sagt der englische Regisseur und Filmemacher Tony Palmer. "An keiner einzigen Stelle im Film kritisiere oder attackiere ich die Festspiele. Es ist lächerlich, mir jetzt zu unterstellen, ich hätte einen Skandal gewollt", so Palmer an die Adresse von Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. "Ich bin enttäuscht, dass ein Teil des Direktoriums den Film zensurieren wollte."

Es habe zu "The Salzburg Festival" kein Skript gegeben, die Dokumentation habe sich auf Grund des historischen Film-Materials und der Interviews so entwickelt. "Es gibt keinen Kommentar, die Zuschauer müssen sich also selbst ihren Reim machen. Um die Länge von dreieinviertel Stunden habe ich mich nie gekümmert", betonte der Regisseur. Einen Film über die Festspiele mit der ganzen Komplexität und all den Zusammenhängen zwischen Politik und Kunst in beispielsweise einer Stunde zeigen zu wollen, sei dumm.

Zentral: Die Beziehung zwischen Kunst und Politik

So groß die Enttäuschung über die Führung der Festspiele auch sei, es habe führende Leute gegeben in Österreich, "die sehr genau verstanden haben, was ich da tue. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller zum Beispiel hat zu mir gesagt, ich müsse wissen, dass ich mit der Geschichte der Salzburger Festspiele zugleich eine Geschichte des Staates Österreich versuche". Auch Bundespräsident Heinz Fischer habe zum Thema Festspiele und Politik etwas ganz Entscheidendes gesagt. "Vergessen wir nicht, dass der 27. Jänner nicht nur Mozarts Geburtstag ist, sondern zugleich der Tag, an dem Auschwitz befreit wurde."

Und diese ganz enge Beziehung zwischen Kunst und Politik sei eine Konstante in Salzburg und seinen Festspielen, betonte der nicht nur als Filmemacher, sondern auch als Theater- und Opernregisseur erfolgreiche Palmer. "Auch nach dem Krieg setzt sich diese Verbindung fort. Ich zeige die Stadt, in der man besiegt worden ist, die zerbombt war. Es war kein Geld da, und die Leute waren arm. Da wurde 1945 ein Festival geschaffen, weil die amerikanische Armee ein Festival wollte", sagte Palmer.

Kein "hübscher netter Promotion-Film"

"Ich glaube, dass die Festspiele deshalb so entrüstet auf meinen Film reagiert haben, weil sie eigentlich gar keine Aufarbeitung der Verstrickung der Festspiele mit der Politik wollten, sondern einen hübschen, netten Promotion-Film in kleinen, gut verdaubaren Happen. Aber genau das wollte ich nicht. Das hat Präsidentin Rabl-Stadler nicht verstanden oder nicht verstehen wollen", so der Filmemacher weiter. Palmer wird sich auch in Zukunft auf politisch heikle Projekte einlassen, weil es gerade die heißen Eisen seien, die ihn interessierten. "Im kommenden Jahr werde ich nach Russland fahren und einen Kinofilm über Puschkin drehen."

Ungenauigkeiten eingeräumt

Ja, er wisse, dass es in diesem Streifen Ungenauigkeiten gibt. Der Handschlag zwischen Furtwängler und Goebbels zum Beispiel fand in Berlin statt und nicht in Salzburg. Auch stimmt die zeitliche Reihung der Bilder an mehreren Stellen nicht mit der Realität überein. "Sehen Sie, nirgends im Film wird behauptet, dass dieser Handschlag in Salzburg passiert wäre. Es ging ausschließlich darum, das Verhältnis von Furtwängler zu den Nazis aufzuzeigen - einem Furtwängler, der ja oft seine Leistungen als Humanist betont hat. Und wenn Wilma Lipp von einem Rigoletto spricht, der in München stattfand, dann deshalb, weil sie damit ihr Verhältnis zum modernen Regietheater belegen will. Wenn diese Dinge den Film schmälern und gravierende Fehler sein sollen, bitte schön. Ich sage Ihnen, von dieser Sorte Fehler gibt es rund 60 in meinem Film. Mir geht es darum, den Geist der Festspiele im politischen Umfeld der Zeit zu porträtieren und nicht um historische Haarspalterei."

Finanziert haben diesen Film weder die Festspiele noch der Staat noch Mäzen Donald Kahn, sondern der Investment-Banker Peter Lusk. "Mitte März 2006 war er fertig, und ich habe den Festspielen unmittelbar danach eine Kopie zur Begutachtung geschickt. Sechs Monate lang reagierte Rabl-Stadler nicht. Erst dann habe ich mich selbst um die Promotion gekümmert. Jetzt haben 23 Fernsehstationen den Film übernommen, und mit Jahresende werden wir ungefähr 100.000 Stück - viele davon auch in Salzburg - verkauft haben." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.