Berlin streitet um Einsatz im Nahen Osten

25. Juli 2006, 19:18
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Verteidigungsminister Jung: "Wenn alle Beteiligten uns bitten, werden wir uns einem solchen Auftrag nicht verweigern können"

Berlin - Sollen sich auch deutsche Soldaten an einer etwaigen Friedensmission im Nahen Osten beteiligen? Die Meinung in Deutschland darüber ist geteilt. "Wenn alle Beteiligten uns bitten, werden wir uns einem solchen Auftrag nicht verweigern können", sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) am Montag, lag damit auf Linie mit SPD-Chef Kurt Beck und war konkreter als Kanzlerin Angela Merkel. Am Dienstag betonte er aber, die Frage sei "nicht aktuell", es gehe nun vorrangig um die Befreiung der israelischen Geiseln.

Bedenken hat die Opposition. "Nach der millionenfachen Ermordung von Juden durch Deutsche dürfen unsere Soldaten weder zur Kontrolle eines fragilen Waffenstillstands noch zur Friedenserzwingung Israel gegenüberstehen", sagt Gregor Gysi, Fraktionschef der Linkspartei. Auch Kerstin Müller, außenpolitische Sprecherin der Grünen, findet die historische Belastung zu groß. Und FDP-Außenpolitiker Wolfgang Gerhardt erklärt: "Wir können mithelfen, den Konflikt zu lösen, aber außer Frage steht ein militärischer Beitrag." (bau/DER STANDARD, Printausgabe, 26.7.2006)

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