Verkauf der serbischen Mobi63 geht in die Endphase

26. Juli 2006, 14:54
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Frühere Mobtel kommt unter den Hammer - Verbindliche Angebote werden am Mittwoch geöffnet - Telekom-Austria-Gruppe bietet mit

Der Verkauf des serbischen Mobilfunk-Unternehmens Mobi63 - Nachfolger der früheren Mobtel - geht morgen, Mittwoch, in die Endrunde. Nach der Öffnung der verbindlichen Angebote für die Mobi63 samt zugehöriger Funklizenz sollen die drei Bestbieter ermittelt werden, die am 31. Juli vor laufenden TV-Kameras am Wettbieten um die Mobi63 teilnehmen werden. Gute Chancen rechnet sich die TA-Tochter Mobilkom Austria aus, deren Chef Boris Nemsic bereits in die Vorbereitungen zur Neugründung der Mobtel/Mobi63 involviert war.

800 Millionen Euro

Der Mindestpreis für die Mobi63 wird nach Angaben der serbischen Privatisierungsagentur 800 Millionen Euro betragen - jedes Handzeichen bei der Auktion wird eine Erhöhung des Gebots um 20 Millionen Euro bedeuten, wie die serbische Nachrichtenagentur Tanjug berichtet. Im Rennen sind noch acht Bieter - neben der Mobilkom u.a. auch die Deutsche Telekom, France Telecom, die schwedische Tele2 und Tele Sonera sowie die norwegische Telenor.

Größte Privatisierung im Serbien

Der Verkauf der Mobi63 wird die größte Privatisierung im Serbien der Nach-Milosevic-Ära sein. Der bisher größte Deal war der Verkauf der staatlichen Tabakfabrik Duvanska industrija Nis am 2. September 2003 an Philip Morris um rund 518 Mio. Euro.

Vorgänger-Unternehmen Mobtel

Dem Vorgänger-Unternehmen Mobtel, an dem die österreichischen Investoren Martin Schlaff, Josef Taus und Herbert Cordt maßgeblich beteiligt waren, war Ende 2005 die Funklizenz und damit die Geschäftsgrundlage entzogen worden. An das neu gegründete Nachfolgeunternehmen Mobi63 wurde das gesamte Mobtel-Eigentum inklusive Sendernetz und Kunden übertragen. Die serbische staatliche Post PTT ist an Mobi63 mit 70 Prozent beteiligt, 30 Prozent gehören den österreichischen Investoren Schlaff, Taus und Cordt. Vom Kaufpreis entfallen 40 Prozent auf die Funklizenz und 60 Prozent auf das Unternehmen selbst.

Protestaktionen

Die Mitarbeiter von Mobi63 haben unterdessen Protestaktionen gegen den geplanten Verkauf angekündigt. Sie fühlen sich von Finanzminister Mladjan Dinkic betrogen, der ihnen einen Kollektivvertrag und ein Sozialprogramm zugesagt, diese Zusage aber nicht gehalten habe, wie die serbische Tageszeitung "Glas javnosti" berichtet. Dinkic habe nur auf Zeit gespielt, in Wahrheit handle es sich um eine abgekartete Sache zwischen den politisch mächtigen und Geschäftsleuten, so der Vorwurf des Präsidenten der Teilgewerkschaft Verkehr und Telekommunikation des Gewerkschaftsverbandes "Nezavisnost", Aleksandar Titovic.

"Reiner Betrug"

"Jedem ist klar, dass die internationale Versteigerung am 31. Juli zu Ende gehen wird und dass die Österreicher Mobi63 kaufen werden. In Wahrheit handelt es sich um reinen Betrug und Irreführung der Öffentlichkeit", fand Titovic harte Worte. "Es geht nur ums Geld. Was mit tausend Beschäftigten passieren wird, interessiert sie nicht. Uns bleibt nur übrig, das Gebäude zu blockieren, in dem die Versteigerung stattfinden wird, und vor dem Regierungsgebäude zu protestieren."(APA)

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