Muzicant kritisiert Österreichs Wirtschaftsbeziehungen zum Iran

25. Juli 2006, 15:06
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Frage der moralischen Vertretbarkeit und Neutralitätskonformität

Wien - Kritik an Österreichs Wirtschaftsbeziehungen zum Iran hat der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Ariel Muzicant, geübt. "Ist es moralisch vertretbar und neutralitätskonform, mit einem Land Geschäfte zu machen, das Waffen produziert, die gegen die Zivilbevölkerung eines anderen Staates eingesetzt werden?", fragte Muzicant, der auch Vizepräsident des Europäischen Jüdischen Kongresses ist, in einem Interview mit der am morgigen Mittwoch erscheinenden Wiener Wochenzeitung "Falter".

"Es gibt zwar keinen Beweis dafür, dass die Waffen, mit denen der Iran die Israelis über den Libanon angreift, aus Österreich kommen. Aber zumindest weiß man bereits, dass diese Raketen vor allem im Iran produziert werden. Also frage ich mich, warum Österreich noch seine Wirtschaftsbeziehungen mit Teheran aufrechterhält", sagte der Wiener IKG-Chef.

Als Präsident der österreichisch-iranischen Freundschaftsgesellschaft hat sich der frühere Wirtschaftskammerchef und ehemalige ÖVP-Nationalratsabgeordnete Leopold Maderthaner intensiv um die Förderung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen eingesetzt. Zahlreiche österreichische Wirtschaftsdelegationen waren in den Iran gereist, ebenso im April 2002 der damalige Verteidigungsminister Herbert Scheibner (jetzt B).

Auf die "Falter"-Frage, ob das friedvolle Miteinander in Österreich nicht "ein Verdienst der Republik (sei), sondern bloß eine Frage der Anzahl der Araber", antwortete Muzicant: "So ist es. Aber zur Präzision: Natürlich liegt es auch an den sozialen Verhältnissen. In den Vorstädten von Paris leben die Araber wie in Ghettos. Sie sind nicht integriert, oft arbeitslos und leben Tür an Tür mit den Juden. Da kommt es zu Zusammenstößen. In Wien haben wir zwar zur muslimischen Gemeinde einen guten Draht, solange es um gemeinsame Anliegen wie die Verurteilung von Fremdenfeindlichkeit oder das Schächten geht. Aber sonst gibt es kaum Berührungspunkte."

Gefragt, warum er nicht mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs an einem Strang ziehe, wenn diese ein stärkeres Engagement der EU zur Lösung der Nahost-Krise fordere, sagte der IKG-Präsident: "Ich glaube nicht, dass sich jetzt die Juden und die Moslems zusammentun sollen, um mit der EU gemeinsam den Nahen Osten zu befrieden." (APA)

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