Telekom Austria: ÖIAG dementiert Gespräche mit russischen Investoren

2. August 2006, 10:28
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Staatsholding "weder informiert noch involviert" von kolportierter möglicher 35 Prozent-Beteiligung der russischen Alfa-Gruppe

Die ÖIAG hat am Dienstag Meldungen dementiert, wonach Investoren aus Russland Staatsanteile an der Telekom Austria (TA) erwerben könnten. "Mit der ÖIAG hat das nichts zu tun. Wir sind weder informiert noch involviert", sagte eine Sprecherin der Staatsholding vor Börsebeginn auf APA-Anfrage.

Keine "Proaktivität"

In dieser Legislaturperiode werde es keine weitere proaktiven Privatisierungsschritte für die Telekom Austria mehr geben. "Wenn ein Investor auf uns zukommt, der die Vorgaben des Privatisierungsauftrages erfüllen könnte, würden wir das Angebot prüfen. Derzeit liegt uns aber kein solches Angebot vor", so die ÖIAG-Sprecherin. Eine Sprecherin der Telekom Austria erklärte, das Unternehmen könne "die Gerüchte auf keinste Art und Weise kommentieren".

Alfa-Group interessiert

Die russische Nachrichtenagentur Interfax hatte Ende der Vorwoche gemeldet, dass die Moskauer Investorengruppe Alfa-Group den Erwerb von 35,3 Prozent der Telekom Austria erwäge. Der frühere Alfa-Manager und jetzige Chef der Londoner Investmenfirma Pamplona, Alex Knaster, soll der Alfa-Gruppe einen entsprechenden Asset-Tausch angeboten haben. Für die 35,3 Prozent der Telekom Austria wollte er 59,5 Prozent des russischen Telekomunternehmens Vimpelcom und 50,3 Prozent der türkischen Turkcell.

Russisches Angebot

Der stellvertretende Chef der Alfa-Telekom-Sparte Altimo, Oleg Malis, bestätigte gegenüber Interfax, ein entsprechendes Angebot von Pamplona erhalten zu haben. Um darauf eingehen zu können, müsste Altimo allerdings selbst erst seine Anteile an Vimpelcom und Turkcell aufstocken und dafür von den skandinavischen Miteigentümern Telenor and TeliaSonera zukaufen. Derzeit hält Altimo 32,9 Prozent an Vimpelcom und 13 Prozent an Turkcell.

Keine Details

Wo die 35,3 Prozent der Telekom Austria herkommen sollten, wurde nicht näher spezifiziert. Interfax schreibt nur, dass der Anteil der ÖIAG dadurch von derzeit 25,2 Prozent auf 9 Prozent sinken würde. In Branchenkreisen wird ein solcher Deal jedoch als "extrem unwahrscheinlich" bezeichnet. Auch von Spekulationen, dass die TA-Anteile etwa durch eine Kapitalaufstockung im Zuge einer Einbringung von Beteiligungen ausgegeben werden könnten, ist in der Branche nichts zu hören.

"So weit weg wie Moskau von New York"

Altimo-Manager Malis sagte zu Interfax, ein solcher Deal sei "so weit weg von einer Realisierung wie Moskau von New York. Derzeit sind die Ideen nicht realistisch und die Wahrscheinlichkeit, dass sie das jemals werden, ist extrem gering."

Finanzminister Karl-Heinz Grasser hatte die Telekom Austria zuletzt vor einem Monat erneut als Kandidaten für eine Vollprivatisierung bezeichnet. In der nächsten Legislaturperiode hält er nach früheren Aussagen die Restprivatisierung für "möglich und sinnvoll".(APA)

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    foto: standard/ andy urban
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