"Herz und Hirn wichtiger als Tower"

16. März 2007, 11:58
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Wiener Linien haben neue Leitzentrale in Erdberg in Betrieb genommen - Bescheid zu V-Wagen noch im August

Wien – Der Eindruck ist ein glänzender: Die Wiener Linien präsentierten in Erdberg ihre neu in Betrieb genommene Leit- und Sicherheitszentrale . Die U-Bahn-Linien U2, U3 und U6 werden bereits von dort aus gesteuert, die Linie U1 folgt im September. Die U4 wird erst 2007 unter die Aufsicht der neuen Zentrale gestellt. Bisher war am Karlsplatz auf Sicherheit in der U-Bahn geachtet worden, doch mit dem Ausbau von U1 und U2 wäre die alte Zentrale, die 1978 gebaut wurde, zu klein geworden. Außerdem wurde in der neuen Zentrale Platz für die U5 eingeplant, doch diese ist noch Zukunftsmusik.

50 Mitarbeiter

Den Anblick kennt man aus Hollywood-Filmen: Auf den ovalen Wänden unzählige Flachbildschirme, geschäftiges Beobachten der Computerbildschirme, fünf mal neun Monitore (derzeit nur drei mal neun), die das Ein- und Aussteigen der Fahrgäste zeigen – bloß, dass die Wiener U-Bahn-Leitstelle keine CIA-Zentrale ist und deswegen viel kleiner, übersichtlicher und überhaupt nicht düster und unterirdisch ist, sondern im fünften und sechsten Stock gelegen und hell. Jede U-Bahn-Linie hat eine sechs Meter lange Übersichtstafel zur Verfügung, auf der mittels Rückprojektion die „Befindlichkeit“ der einzelnen Züge abgebildet wird. 50 Mitarbeiter wechseln sich in der 24-Stunden-Schicht ab, sieben Tage die Woche. Je zwei Mitarbeiter sind für die einzelnen Linien verantwortlich.

Die Zentrale, die 46,5 Millionen Euro gekostet hat, sei das „Herz und Hirn des Wiener U-Bahn-Systems,“ sagte Vizebürgermeister Sepp Rieder (SP). Herz, weil die Energieversorgung überprüft werden kann, und Hirn, weil die technische Steuerung von dort aus erfolgt. Die Zentrale sei „wichtiger als der Tower am Flughafen,“ denn einen „Piloten kann man nicht ersetzen“ begründet er. In der U-Bahn läuft alles automatisch: der Fahrer ist lediglich für die Sicherheit der Fahrgäste anwesend. Sollte es also beispielsweise zu einem Brand im Zug kommen, so kann man von der Zentrale aus die Ent- und Belüftung steuern. Was auch gesteuert werden kann, ist die Geschwindigkeit. Die Streckengeschwindigkeit kann vom Fahrer nicht überschritten werden, andernfalls stoppt der Zug. Entlang der Strecke sind Messpunkte angebracht.

Wirbel um neue Garnituren

In den vergangenen Wochen hatten die Wiener Linien vermehrt mit der Öffentlichkeit kommuniziert, in betrüblicher Sache allerdings. So kam vergangene Woche der Bescheid des Verkehrsministeriums, dass die zehn neuen U-Bahnen, die V-Wagen von Siemens, aufgrund fahrkomfort- und sicherheitstechnischer Mängel ihren Fahrbetrieb nicht aufnehmen dürfen. Die Wiener Linien sollen laut Ministerium nur noch Unterlagen nachreichen, die Sicherheitsfragen klären. Wirtschaftsstadtrat Rieder rechnet ab Mitte August mit einer Betriebsgenehmigung. So kann die Premierenfahrt, wie geplant, am 2. September stattfinden, am gleichen Tag, an dem auch die U1-Verlängerung nach Leopoldau eröffnet wird. Bis zum Beginn der Fußball-EM 2008 wird das Stadion mit der U2 erreichbar sein. Bis 2010 wird bis zur Aspernstraße weitergebaut.

Auch die Niederflurstraßenbahnen „Ulf“ haben derzeit Probleme mit einer Tunnelfahrtgenehmigung: 35 von 152 dürfen nicht durch Tunnels fahren, sind jedoch normal in Betrieb. Andere Mängel haben sie nicht, heißt es seitens der Stadt und der Verkehrsbetriebe. Straßenbahnen, die nicht in Betrieb seien, seien beim vorgeschriebenen monatlichen oder jährlichen Service, sagt Günther Steinbauer, Geschäftsführer der Wiener Linien. Aber: „Ein Auto haben Sie ja auch nicht 365 Tage zur Verfügung.“ (Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe, 25.07.2006)

  • Die Leit- und Sicherheitszentrale der Wiener Linien ist derzeit das "Herz und Hirn" der Linien U2, U3 und U6. Die U1 folgt im September nach, die U4 kommt erst Mitte 2007 in die Erdberger Obhut
    foto: standard/newald

    Die Leit- und Sicherheitszentrale der Wiener Linien ist derzeit das "Herz und Hirn" der Linien U2, U3 und U6. Die U1 folgt im September nach, die U4 kommt erst Mitte 2007 in die Erdberger Obhut

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