Schutz vor Flut durch Zwang

26. Juli 2006, 09:09
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Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser: Grüne urgieren Maßnahmen für mehr Retentionsräume

St. Pölten – Für Zweithausbesitzer im Umkreis Wiens haben Klimaexperten keine guten Nachrichten. Nicht nur, dass mehr Schnee und damit mehr Schmelzwasser, mehr heftige, lokale Gewitter und andauernder Starkregen, vor allem durch Genua-Tiefs, die Flutgefahr in unseren Breitengraden bis zum Jahr 2100 prinzipiell erhöhen könnten – Teile Niederösterreichs sind von dieser Entwicklung besonders betroffen.

Wie sehr, hat Grünen-Landtagsabgeordneter Martin Fasan aus der bundesweiten Studie im Auftrag des World Wide Fund for Nature, „Hochwasser und Klimawandel“, herausarbeiten lassen: „Im niederösterreichischen Alpenraum und der Buckligen Welt kommen alle drei Risikofaktoren zusammen. Das Waldviertel und der Alpenvorraum sind von zwei der drei Faktoren – mehr Schmelzwasser und Genua-Wetterlagen – betroffen“, erläutert WWF-Klimaexperte Markus Niedermair.

Ständige Bedrohung

Zudem stünden „praktisch alle niederösterreichischen Flüsse“ zunehmend in der Gefahr, nach Intensivgüssen über die Ufer zu treten. Und zwar laut den Studienerstellern von der Wiener Universität für Bodenkultur vor allem im Spätwinter und im Frühjahr, da bis zum Jahr 2100 im gesamten Alpenraum während der kalten Jahreszeit mit einem Niederschlagssummen-Plus zwischen „15 und 40 Prozent“ zu rechnen sei. Während es in den Sommern wiederum noch heißer und trockener werden soll.

Angesichts dessen müsse in Niederösterreich die Hochwasservorsorge im Vordergrund stehen, meint Fasan. Und stellte an den zuständigen Landesrat Josef Plank (VP) eine detaillierte Anfrage: ob die 23 bis 25 Millionen Euro Bundesbudgetmittel für Hochwasserschutz jährlich reichten, wie die Prioritätenliste bei Hochwasserschutzprojekten ausschaue und mehr. Auch ob die rechtlichen Möglichkeiten des Landes beim Hochwasserschutz reichen, will der Grüne wissen. Konkret, ob es – so präzisiert er im Standard-Gespräch – „im Wasserrecht nicht auch entschädigungspflichtige Enteignungsverfahren geben sollte, wie sie bereits beim Autobahnbau existieren“.

Land gegen Zwang

Auf diese Art könne verhindert werden, dass etwa zusätzliche Retentionsräume an Flüssen am Veto einzelner Grundstücksinhaber scheiterten. Doch im Büro Landesrat Planks ist man skeptisch: „Enteignungen, die durch alle Instanzen gehen, dauern so lang wie gütliche Einigungen.“ (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe, 25.07.2006)

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    Wenn sich das Genua-Tief wieder verzogen hat: Aufräumen an der Thaya nach der Flut im heurigen Juli

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