Intensität der Kommunikation beim Tanzen im Sitzen

24. Juli 2006, 19:51
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Tänzer Jonathan Burrows und Komponist Matteo Fargion begegnen einander im Minimalismus ihrer eigenen Künste: "Both Sitting Duet" und "The Quiet Dance"

Nichts, was man in Jonathan Burrows' und Matteo Fargions Both Sitting Duet (zum zweiten Mal nach 2003 bei ImPulsTanz) zu sehen bekommt, kann man mit Garantie als Tanz bezeichnen. Einerseits könnte man es als Handballett beschreiben, weil sich zwei Paar Hände (jene von Tänzer Burrows und von Komponisten Fargion) nach einer vor ihnen am Boden liegenden Partitur rhythmisch bewegen. Andererseits erinnern die sich mitunter zu wildem Fuchteln steigernden Bewegungen zuweilen auch an das ungestüme Vertreiben von lästigen Mücken. Ist das Tanz?

Jonathan Burrows sucht Stellen, die gerade noch oder gerade nicht mehr Tanz sind - vielleicht auch beides. Das Überschreiten von Grenzen hat der 46-jährige Brite bereits an seiner ersten Karriere vollzogen, als er seinen Solistenjob beim Royal Ballet in London an den Nagel hängte, um eigenständiger Choreograf zu werden - mit Stationen in Europa und den USA.

Die Jonathan Burrows Group machte damals mit Stücken wie Stoics (1991), Very (1992), Our (1994), The Stop Quartet (1996) und Things I Don't Know (1997) Furore.

Die Frage, was kann man vom Tanz abziehen, um gerade noch Tanz zu erhalten, hat Burrows dann 2001 mit dem niederländischen Theaterleiter Jan Ritsema in dem eindeutig betitelten Stück Weak Dance Strong Questions gestellt und sich ins Höllenfeuer der Gattungs- und Begriffsdiskussion begeben. Dabei traf der untrainierte Körper auf den trainierten.

Ähnlich wie danach in Both Sitting Duet, das Burrows 2002 mit dem italienischen Komponisten Matteo Fargion erarbeitet hat. Die beiden sind damit bisher durch 17 Länder getourt und haben einen Bessie Award eingeheimst. Der aus Mailand gebürtige Künstler Fargion ist als Theatermusiker in Deutschland (vor allem Münchner Residenztheater) kein Unbekannter. Die beiden treffen einander im Minimalismus ihrer jeweiligen Kunst, auch in ihrem zweiten ImPulsTanz-Gastspiel, The Quiet Dance, uraufgeführt 2005 in München. (Margarete Affenzeller/SPEZIAL/DER STANDARD, Printausgabe, 25.7.2006)

Schauspielhaus, 26./28. 7.
  • Burrows und Fargion treffen einander im Minimalismus von Tanz und Musik, jetzt auch bei ihrem zweiten ImPulsTanz-Gastspiel, "The Quiet Dance".
    foto: impulstanz/nash

    Burrows und Fargion treffen einander im Minimalismus von Tanz und Musik, jetzt auch bei ihrem zweiten ImPulsTanz-Gastspiel, "The Quiet Dance".

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