Syriens Präsident Assad

25. Juli 2006, 15:12
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"Dr. Bashar" ist wieder im Spiel

Vor knapp einem Monat donnerten israelische Kampfjets demonstrativ über seinen Präsidentenpalast. Der Schock darüber muss bei Bashar al-Assad tief gesessen sein. Erst eine Woche nach Beginn der israelischen Libanon-Offensive forderte der syrische Machthaber einen Waffenstillstand. Und selbst US-Präsident George W. Bush kam dieser Tage nicht ohne den Vorwurf aus, dass sich - ausgerechnet - die Syrer, die vor einem Jahr unter großem Beifall der Amerikaner aus dem Libanon abgezogen waren, in der gegenwärtigen Krise viel zu passiv (!) verhielten. Damit scheint der international geächtete und auch innenpolitisch unter Druck stehende Bashar al-Assad (41) wieder im Spiel zu sein. Die USA (und Israel) brauchen den Syrer, um die Lage im Libanon einigermaßen unter Kontrolle zu halten, und vor allem, um die Iraner zu isolieren.

Noch vor einigen Monaten sah die Sache anders aus: Assads nach Paris entlaufener ehemaliger Stellvertreter Abdel Halim Khaddam sagte ihm in Syrien eine Revolution nach rumänischem Vorbild voraus. Ein UN-Ermittler warf dem syrischen Geheimdienst vor, Drahtzieher des tödlichen Attentats auf den libanesischen Premier Rafik Hariri im Februar 2005 gewesen zu sein. Involviert sei auch der Schwager Assads und somit wohl der Präsident selbst gewesen. Dazu kam der seit dem Irakkrieg 2003 erhöhte Druck vor allem der USA auf den langen, schmalen Mann, der noch vor wenigen Jahren als politischer Hoffnungsträger der arabischen Welt galt.

Dabei war "Dr. Bashar"eigentlich gar nicht für die politische Laufbahn bestimmt gewesen. Der tödliche Auto- unfall seines Bruders Basil brachte den scheuen Augenarzt auf den Kronprinzenplatz der syrischen Erbdiktatur. Als der alte alewitische Haudegen Hafis al-Assad im Sommer 2000 starb, folgte der damals 34-Jährige seinem Vater eher unfreiwillig nach. Dazu waren eine Verfassungsreform, eine zuvor im Schnellverfahren durchlaufene Militärkarriere und das Plazet der Baath-Partei-Honoratioren notwendig.

Genau diese beendeten auch den anfänglichen Versuch des jungen Präsidenten, das Land etwas zu öffnen. Politische Debattierklubs blieben nicht lange erlaubt, die Lockerung der Pressezensur fand ebenso ein rasches Ende. Die an jeder Straßenkreuzung in Damaskus postierten Geheimdienstler in ihren schwarzen Lederjacken zeigten allen, dass es mit der Freiheit in Syrien nicht weit her war.

Der kultivierte, westlich erzogene Assad selbst schien wenig mehr als eine Art Frühstücksdiktator zu sein. Selbst seine Untertanen durften ihn straflos feixend "die Giraffe"nennen. - Nun aber hat "die Giraffe"die Chance, ihr Haupt wieder etwas zu erheben.

Al-Assad ist mit der Informatikerin Asma al-Achras verheiratet und hat drei Kinder. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 25.7.2006)

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    Bashar al-Assad, Präsident

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