Immer der Nase nach

24. Juli 2006, 20:20
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Lutz Hübners Drama "Hotel Paraiso" im Salzlager in Hall

Im Werbespot zu Calvin Kleins "Eternity" fläzt sich ein Paar mit Kind am Strand, zu Burt Bacharachs "What the world needs now is love sweet love . . ." Im Hotel Paraiso ist es die allein reisende Dana, die den Duft trägt. Er springt der einmal noch mit Eltern urlaubenden Kathi in die Nase, und die letzte rekonstruierbare Handlung des Mädchens, als es abgehauen und womöglich ums Leben gekommen ist, besteht im Erwerb dieses Parfüms. Eine Geste der Glückssuche, doch Wirklichkeit geht anders. Sich ungeliebt fühlen, das klappt unabhängig von Alter, Geschlecht und Lebenslage. Davon handelt Lutz Hübners Drama.

Regisseur Alexander Kratzer schließt Besetzung und Sitzgelegenheiten kurz. Ausstatterin Alexia Engl behauptet glaubhaft, dass das Salzwasser gleich hinterm Salzlager anbrandet. Die Musik passt, und das Ensemble kann's: Energetisch dominant Nicola Trub, der meist rüpelhaft-rotzige Fratz, stimmig Elke Hartmann als auf Abgrenzung bedachte Außenstehende und Günter Lieder als Gören-Vater und Souveränität behauptender Architekt. Warum ist das dann kein tolles Theater? Weil "Hotel Paraiso" ein mattes Stück ist. Da hilft auch nicht, dass im Programmheft Adorno, Baudrillard und Cioran die Liebe buchstabieren. (pen/ DER STANDARD, Printausgabe, 25.7.2006)

Salzlager
Hall
0650/ 41 43 454
Bis 29. 7.
  • Kostproben eines fremden Lebens, in "Hotel Paraiso" per Parfumwölkchen übertragen.
    foto: günter kresser

    Kostproben eines fremden Lebens, in "Hotel Paraiso" per Parfumwölkchen übertragen.

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