Gossip und Geschäft: Sag mir, wo die Promis sind...

20. Juli 2007, 16:43
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Die Eröffnung der Festspiele galt jahrzehntelang als Pflichttermin von Reich, Wichtig & Mächtig: Doch heuer waren Top-Promis rar...

... Vielleicht ja auch, weil "prominent"längst nicht mehr "relevant" bedeutet.


Anna Netrebko hat dann auf dem Rad ein paar Runden vor dem Haus für Mozart gedreht. So als wäre nichts passiert. Dabei hatte sich ihr Rock zuvor in den Speichen verheddert: Der Figaro-Star hatte selbst Hand anlegen müssen - und dabei war ihr ihr Salzburgerfestspielelächeln aus dem Gesicht gefallen. Aber immerhin: Im Gegensatz zum Rest der Salzburger Radler (und dem Biker Tobias Moretti)konnte sie es sich verkneifen, hier eine Vollbremsung hinzulegen: Der gelbe Straßenbelag mit seinen Bremsspuren ist heuer nämlich derSkandal der Salzburger Festspiele. Bürgermeister und Stadträte sind jedenfalls in heller Aufregung.

Egal. Denn da kein Fotograf Netrebkos Rock-Malheur mitbekommen hatte, wird es morgen schon nicht mehr wahr sein: Die Paparazzi waren drinnen. Swarovski hatte Sonntagnachmittag ins Haus für Mozart gebeten um die "Mozart-Wand"(35.000 Steine auf 200 Quadratmetern um kolportierte 800.000 Euro) zu präsentieren. Der Glitzerwall zeigt - wenn man weiß, wie man schauen muss - Mozart &Mischpoche. Hinter Lamellen. Aus - angeblich - akustischen Gründen. Aber wer will, kann eine tiefsinnige Kunst-Meta-Ebene einziehen. Oder das Funkeln übersehen.

Die Paparazzi jedenfalls hatten für die Wand kein Auge. Sie suchten - und fanden nicht.: Das Haus war zwar voll, aber "Salzburg wird jedes Jahr schwächer,"seufzte ein altes Yellowpress-Schlachtross: "Otto Kern und Gery Keszlerbeim Jedermann. Früher kam Grazia Patrizia."

Das übliche Personal war natürlich da: die Künstler. Und zur Eröffnung am Vormittag Bundespräsident, Kanzler, Landeshauptfrau, Bürgermeister und Elisabeth Gürtler. Schon bei Mozarthaus-Architekt Wilhelm Holzbauerund Neo-Festspieler Loui Austen greinten die Fotografen - und Lettlands Staatspräsidentin Vike Freiberga? "Wen interessiert die ? Wenn sie wenigstens Modell wäre ..."

Trotzdem: Kurier-Society-Redakteurin Christiane Tauzher logiert bis Donnerstag im Bristol. Ö3s Claudia Stöckl bleibt ebenso lange - und Krone-Gesellschafterin Karin Schnegdar"wird die nächsten Wochen pendeln": Die Festspiele gelten als Society-Hochamt. Also sind Erwartungen zu erfüllen. Auch, wenn nur zu erzählen ist, dass Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler am Morgen der Eröffnung noch keine Rede hatte. Und dass Life-Ball-Macher Gery Keszler "immer den Jedermann sehen wollte. Der Simonischek hat mir Karten besorgt". Und: Moretti zahlt für Bremsspuren 50 Euro.

"Vernünftig", erkannte eine Gesellschaftsjournalistin, "wäre es, nicht zu berichten - aber wenn alle anderen Medien da sind, kommen wir auch."Und hoffen: Ernst August und Caroline von Monaco sollen noch kommen. "Unter Pseudonym,"verrät Festspiele-Protokollchefin Susanne Harf. Und setzt nach: "Die Protagonisten der Wiener Seitenblicke-Szene würden hier weder eingeladen noch kämen sie irgendwo hinein."Außerdem sei Relevanz ungleich Prominenz. Oder das, was man als ebensolche verkauft: Dass am Sonntag etwa der indische Filmproduzent Sanjay Kaushik mit Swarovski-Kristall-Chef Andreas Braunbeplauderte, die "Indian International Film Awards", eine der wichtigeren "Bollywood"-Preisverleihungen, nach Salzburg zu bringen, bemerkte niemand. "Bei uns ist Musik zentrales Film-Thema - Salzburg bietet sich doch an,"erklärte Kaushik. Braun freute das: "Ich mag es, wenn sich Klischees gegenseitig neu erfinden: Inder, die mit Salzburgern Polka tanzen - das hat was."Just diese Freude an Klischee-Aufmischungen, so Braun, habe Tirols Kristalle nach Mozartland gebracht.

Freilich: Braun drängt sich nicht vor Kameras. Ebenso wenig wie andere Salzburg-Gäste des Geld- und Kulturadels: Der Milliardär Donald Khan etwa, ohne dessen Millionenspenden das "Haus für Mozart"undenkbar gewesen wäre. Oder Mäzen Herbert Batliner. Festspiele-Protokollchefin Harf: "Ich kenne die Gästelisten von Audi, Siemens, Credit Suisse &Co. - da stehen sehr große Namen drauf - aber die Leute wollen ihre Ruhe haben."Das bestätigte dann auch eine, der das "Köpfe-Problem"Kopfzerbrechen machte: Doris Wild, Chefin der auf Salzburger Leute-Events spezialisierten Fotoagentur "Wild &Team"wusste am Sonntag nicht, auf wen sie ihre Mitarbeiter loslassen sollte: "Es sind wenige Toppromis da, aber das macht die Festspiele entspannter. Und wenn wir Glück haben, heißt das auch, dass die Seifenblase, dieser völlig leere Hype, vorbei ist. Oder abklingt."Andererseits weiß Wild auch, dass noch lange nicht aller Societyberichte Stunde geschlagen hat: Über der Figaro-Premiere wird der Stern von Fiona Swarovskiin all seiner Pracht erstrahlen - und spätestens dann werden alle Paparazzi wieder glücklich sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.7.2006)

  • Am Sonntag in Salzburg, zwischen Mozart-Wand und Jedermann: Sanjay Kaushik mit Andreas Braun, Anna Netrebko mit Gabi Burgstaller sowie Gery Keszler, Katja Burkhardt und Hans Mahr (oben, von links). Und in der unteren Reihe: Susanne Harf, klein hinter Loui Austen, Peter Simonischek und Nina Hoss sowie der Hemdenschneider Otto Kern (blond und mit Sonnenbrille, am oberen Pulkrand) mit seinen Gefolgsleuten.
    handyfotos: standard/rottenberg

    Am Sonntag in Salzburg, zwischen Mozart-Wand und Jedermann: Sanjay Kaushik mit Andreas Braun, Anna Netrebko mit Gabi Burgstaller sowie Gery Keszler, Katja Burkhardt und Hans Mahr (oben, von links). Und in der unteren Reihe: Susanne Harf, klein hinter Loui Austen, Peter Simonischek und Nina Hoss sowie der Hemdenschneider Otto Kern (blond und mit Sonnenbrille, am oberen Pulkrand) mit seinen Gefolgsleuten.

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