Auffallende Zurückhaltung im Iran

24. Juli 2006, 19:48
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Nur Ahmadinejad wettert gegen Israel

Die Kämpfe im Libanon haben in Teheran den Konflikt um die iranische Atompolitik aus den Medien verdrängt. Trotz massiver medialer Propaganda für die Hisbollah verhalten sich die Politiker auffallend zurückhaltend, wenn radikal-konservative Gruppen mehr als verbale Unterstützung für die Hisbollah verlangen. Sogar eine radikale Gruppe, die seit Monaten um so genannte Märtyrer für den Einsatz gegen Israel und die USA wirbt, ist fast in Vergessenheit geraten und wird in den Medien nicht mehr ernsthaft beachtet.

Auch der Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte, General Hasan Firouzabadi, bestritt eine militärische Unterstützung der Hisbollah durch den Iran und meinte am Montag in einem Interview, dass der Iran die Hisbollah nur moralisch unterstütze und nicht die Absicht habe, sich in den Libanon-Konflikt einzuschalten.

Drahtzieher

Aber für Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad ist der Konflikt im Libanon Anlass genug, seine Attacken gegen Israel weiter zu verschärfen, Israel als Drahtzieher aller Konflikte im Nahen und Mittleren Osten zu bezeichnen und die Hisbollah zu loben. Dagegen hatte Expräsident Hashemi Rafsandjani beim jüngsten Freitagsgebet gesagt, der Iran müsse sich auf die neuen Verhältnisse in der Region einstellen, und von iranischen Politikern mehr Zurückhaltung bei verbalen Attacken gegen das Ausland verlangt. Obwohl er mit keiner Silbe Ahmadi-Nejad erwähnte, war klar, wen er meinte. (Amir Loghmany aus Teheran/DER STANDARD, Printausgabe, 25.7.2006)

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