Innsbrucker Expedition ins ewige Eis Kanadas

9. Oktober 2006, 18:06
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Forschung über Klima und Umweltgifte

Innsbruck - Der Zoologe Günter Köck geht wieder fischen. Am Dienstag startet der Innsbrucker Wissenschafter im Auftrag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erneut zu einer Arktis-Expedition zum Lake Hazen im äußersten Norden Kanadas. Köck soll mit internationalen Forschern die Schwermetallbelastung dortiger Fischbestände untersuchen - ein Indikator für den anhaltenden Klimawandel.

Begonnen hatte alles vor einiger Zeit mit der Feststellung, dass die Zahl der Geburtsfehler und Krankheiten bei den Inuit steigt. Aber warum plötzlich, leben sie doch in einer scheinbar unberührten Natur?

Eben nicht: Durch die Klimaerwärmung gelangen vermehrt Schadstoffe, vor allem Schwermetalle wie Quecksilber in die arktische Region. Fische, Wale und andere Arten fressen den aus den industrialisierten Ländern kommenden Dreck, was sich nicht nur negativ auf deren Fortpflanzungsfähigkeit auswirkt und so die jeweiligen Bestände dezimiert. Sondern das Gift führt schlussendlich auch im Organismus der Inuit, die die verseuchten Tiere als Nahrungsgrundlage haben, zu schweren Schäden.

In jüngster Vergangenheit konnten Köck und sein Team diesen fatalen Kreislauf im laufenden Forschungsprojekt "High Arctic", das über das "Global Change-Programm"der ÖAW in das internationale "Geosphere Biosphere Programme"eingebunden ist, im Lake Hazen bereits bestätigen.

Zudem begann Köck mit der Tiefenkartierung des arktischen Sees - dies deshalb, weil anhand dieser Karte dann an geeigneten Stellen aus dem Seegrund Sedimentbohrkerne entnommen und als "Klima-Archive"verwendet werden können. Denn die Schadstoffe reichern sich zwar zunächst in der Nahrungskette an, längerfristig aber sinken sie organisch gebunden zu Boden, sind im Sediment über Jahrhunderte nachweisbar.

Die Schadstoffe gelangen primär über Fungizide, Düngemittel und durch die Farb- und Metallindustrie in die Atmosphäre, über der Arktis wird das Gift dann abgeregnet. Die Belastung der Fische steigt, je höher die Temperaturen sind: Fische sind dann aktiver, Stoffwechselprozesse laufen rascher ab, daher werden auch mehr Schwermetalle aufgenommen. Derart dokumentiert das Gift im Fisch und Boden den Klimawandel. (fei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 7. 6. 2006)

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