Gratisessen und harte Schritte

8. August 2006, 13:28
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Verluste mit Folgen: Australienflüge werden eingestellt, die OMV wegen ihrer marktbeherrschenden Stellung geklagt, die Mitarbeiter bekommen neue Verträge

Wien – "Ohne Strukturänderung ist aus dem Unternehmen kein nennenswertes Potenzial mehr herauszuholen", sagte AUA-Chef Alfred Ötsch bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse, die zwar besser waren als im Vorjahr. Allerdings musste Ötsch eingestehen, dass das prognostizierte ausgeglichene Jahresergebnis heuer nicht geschafft wird. Grund dafür seien die hohen Kerosinpreise. "Von den 88 Mio. Euro Ergebnisverbesserung wurden 72 Mio. durch die Treibstoffkosten weggefressen". Insgesamt summierten sich die Treibstoffkosten auf 254 Mio. Euro.

An eine Preisabsicherung via Hedging ist angesichts des hohen Ölpreises nicht mehr zu denken. Sehr wohl aber will sich die AUA "gegen Monopollieferanten wie der OMV zur Wehr setzen." Eine Klage in Brüssel wurde bereits eingebracht; die AUA fühlt sich um 35 Mio. Euro im Jahr benachteiligt und hofft auf Schadenersatz für Vergangenheit. Erst vor Kurzem seien Mineralölgesellschaften in Italien wegen überhöhter Preise für Flugzeugtreibstoffe zu Bußgeldzahlungen von 315 Mio. Euro verurteilt worden. Juristen meinen, die AUA wird es schwer haben, bei der EU durchzukommen. Der Vergleich mit Italien wird eher als Argument zugunsten der OMV gesehen. Denn die ÖIAG die ja bei beiden Gesellschaftern Miteigentümer ist, dürfte demnach eher den Standpunkt der OMV vertreten, weil sie kein Interesse daran haben könne, dass die OMV ein Bußgeld aufgebrummt bekommt. Oder OMV und AUA haben sich intern schon geeinigt, für den Fall, dass Bußgeldzahlungen fällig werden, argumentieren Juristen. Ganz generell sei das Preisargument eines der schwierigsten in der EU, weil ein subjektiver Missbrauch nachgewiesen werden müsse.

Die OMV reagierte gelassen und wies "jede Vorwürfe" zurück. Das wiederum machte Ötsch wild, der mit der OMV und dessen Chef Wolfgang Ruttenstorfer bereits seit einem halben Jahr ergebnislos über die Causa prima diskutierte. "Diese Gelassenheit sehe ich nicht, wenn die Wirtschaftspolizei mit der Kartellklage das Unternehmen bevölkert." Ötsch: "Ich habe Ruttenstorfer gesagt, wenn die Kugel aus dem Rohr ist, fliegt sie." Eine erste Reaktion aus Brüssel sei in vier Monaten zu erwarten.

Bis Ende September will Ötsch außerdem mit der Belegschaft einen neuen Kollektivvertrag und neue Betriebsvereinbarungen verhandeln. Unrentable Strecken, wie die Australienflüge werden mit März 2007 eingestellt, der Standard berichtete. Die Austro Control bekam ob der Flugverspätungen eine Rechnung über 5,8 Mio. Euro präsentiert. Auf der Watchliste steht der Name Lauda Air. Wenn die Tests ergeben, dass der Name keinen Mehrwert bringt, wird er gestrichen. Aber: Ab Oktober gibt es in der Economy wieder gratis Catering an Bord. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.7.2006)

  • Der anhaltend hohe Kerosinpreis vernichtete die Hoffung auf ein ausgeglichenes Ergebnis 
Ab Oktober gibt es in der Economy Class bei der AUA-Gruppe auf der Kurz- und Mittelstrecke wieder Gratis-Catering. Es wird nicht das alte sein, unsere Qualitätsansprüche sind eindeutig, sagt AUA-Chef Alfred Ötsch.
    foto: standard/andy urban

    Der anhaltend hohe Kerosinpreis vernichtete die Hoffung auf ein ausgeglichenes Ergebnis Ab Oktober gibt es in der Economy Class bei der AUA-Gruppe auf der Kurz- und Mittelstrecke wieder Gratis-Catering. Es wird nicht das alte sein, unsere Qualitätsansprüche sind eindeutig, sagt AUA-Chef Alfred Ötsch.

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