Drogenabhängige werden immer jünger

26. Juli 2006, 10:08
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Die Suchtgiftkranken in Oberösterreich werden imm jünger - Wieder mehr Heroin und Kokain im Umlauf

Linz – Mehr als 2100 Personen kamen voriges Jahr in die acht Suchtberatungsstellen von „pro mente Oberösterreich“. „Das bedeutet eine Steigerung von mehr als 100 Betroffenen“, sagt dessen Obmann Werner Schöny. Und das bedeute eine zum Teil nicht mehr zu bewältigende Arbeit in den Beratungsstellen. Wegen der Überlastung müssen Drogenklienten teilweise fünf Wochen Wartezeiten in Kauf nehmen.

Bei den Suchtgiftkranken sei jedoch die Entscheidung, einen Entzug zu beginnen, häufig ein spontaner Entschluss. Wenn die Hilfesuchenden dann abgewiesen werden müssen, würde damit möglicherweise eine lebenswichtige Chance vertan. Das Land Oberösterreich bewilligte für 2006 vier zusätzliche Personalposten für „pro mente“. Auch die Politik habe die Drogenproblematik im Land erkannt, kommentiert der Vereinsobmann.

Erstkontakt mit harten Drogen findet früher statt

Vor allem Besorgnis erregend findet Schöny, hauptberuflich Primar der Landesnervenklinik Wagner Jauregg, die Entwicklung im Altersdurchschnitt: Die Abhängigen werden immer jünger. So habe sich etwa die Zahl der Drogenklienten im Alter zwischen 20 und 24 Jahren in der Steyrer Beratungsstelle seit 1997 vervierfacht. Ähnliche Entwicklungen berichten die Stellen aus Ried und Braunau, wo das Durchschnittsalter der Suchtgiftkranken, die Hilfe suchen, bei Anfang 20 liege. Das erste Mal in Kontakt mit Kokain und anderen Drogen kamen sie bereits mit 17 Jahren.

Dass illegale ebenso wie legale Drogen immer mehr ein Problem der Jugend werden, schaffe noch ein weiteres Problem. Die Teenager seien laut Schöny extrem risikobereit. Zu hohe Dosen, zu häufiger Konsum und die wahllose Einnahme unterschiedlicher Substanzen wie Heroin und Valium führen wieder zu einem Anstieg der Todesfälle. Der Anteil der Drogentoten unter 20 Jahren ist bundesweit im Vergleich zu 2003 von zwölf auf 21 Prozent angewachsen. Noch einen nicht minder gefährlichen Trend bemerkt „pro mente“. Drogen wie Kokain und Heroin seien bei den Jugendlichen gefragt, nicht mehr so sehr Ecstasy. Kokain stelle keineswegs nur eine Droge für den Jetset dar. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 25.07.2006)

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