Plassnegger will vor Gericht ziehen

28. Juli 2006, 15:01
30 Postings

Svetits warnt vor neuem Bosman-Urteil - Rapid sieht sich selbst als Geschädigter

Wien - Dem österreichischen Fußball steht ein brisanter Rechtsfall ins Haus. Gernot Plassnegger will vor Gericht eine Einstweilige Verfügung gegen sein Berufsverbot erwirken, nachdem das Protestkomitee der Fußball-Bundesliga vor einer Woche seinen vorzeitigen Vertragsaustritt beim GAK für unberechtigt erklärt hatte. Damit könnte der 28-Jährige eine Lawine auslösen, meint zumindest GAK-Manager Peter Svetits.

"Wenn das durchgeht, wäre das Schlimmer als das Bosman-Urteil", fürchtet Svetits dramatische Konsequenzen. Sollte Plassnegger eine Einstweilige Verfügung bei einem ordentlichen Gericht erhalten, wäre er sofort für Rapid einsatzberechtigt. Danach würde ein Prozess über allfälligen Schadenersatz für den GAK entscheiden. "Das wäre in jedem Fall geringer als eine Ablösesumme", erklärte der GAK-Manager, der davor warnt, dass dieses Beispiel Schule machen könnte. "Rapid geht einen gefährlichen Weg", sagte Svetits.

Edlinger spielt den Ball zurück

Im Lager der Grün-Weißen teilt man die Aufregung der Grazer nicht. Im Gegenteil, Präsident Edlinger spielt den Ball wieder zurück. "Hätte der GAK seine Verpflichtungen eingehalten, wäre es nicht zu dieser Situation gekommen", meinte Rapid-Chef. "Wir haben Plassnegger nach der Entscheidung des Senat 2 (erste Instanz, Anm.) verpflichtet und danach Markus Hiden auf die Transferliste gesetzt. Wer hat also jetzt den Schaden?", fragte Edlinger.

Für den ehemaligen Finanzminister ("In der EU sind Berufsverbote nicht erlaubt") trägt auch die Bundesliga Schuld an der derzeitigen Situation. "Solange die Rechtsgremien kontrovers entscheiden, halte ich die Rechtsunsicherheit in der Bundesliga für problematisch. Darüber muss man reden", sagte Edlinger. Schon bei den Lizenzentscheidungen hatte das Protestkomitee erstinstanzliche Entscheidungen aufgehoben und Sturm und dem GAK die Spielerlaubnis für die Saison 2006/07 erteilt.

Svetits: "Kein Wenn und Aber"

Plassnegger selbst fühlt sich jedenfalls im Recht und hofft auf eine baldige Entscheidung. "Ich bin optimistisch", so der Flügelspieler. Im April war der 28-Jährige auf Grund fehlender Gehaltszahlungen und nach einer Fristsetzung aus seinem Vertrag beim GAK ausgestiegen. Die Grazer überwiesen allerdings noch knapp vor Fristende Geld und hatten damit beim Protestkomitee Erfolg. "Das war eine einstimmige Entscheidung, da gibt es kein Wenn und Aber. Die Vereine haben die letzte Instanz zu akzeptieren", so Svetits.

Die Bundesliga ist über die Entwicklung im Fall Plassnegger alles andere als glücklich. "Unser Wunsch wäre, dass es zu einer anderen Lösung kommt. Fußball sollte auf dem Feld und nicht in Gerichtssälen gespielt werden", erklärte Liga-Sprecher Christian Kircher. An Ablöseverhandlungen mit dem GAK, wie auch von Svetits gefordert, denkt Edlinger allerdings nicht. "Ich habe mich nicht mit dem GAK zu einigen", stellte der Rapid-Präsident lapidar klar.(APA)

Share if you care.