USA: Saddam Hussein bei guter Gesundheit

26. Juli 2006, 13:45
3 Postings

Keine Zwangsernährung - Richter im Prozess gegen irakischen Ex-Diktator lehnt Verschiebung von Verfahren ab

Washington/Bagdad - Die Gesundheit des irakischen Ex-Machthabers Saddam Hussein, der sich nach einem über zweiwöchigen Hungerstreik in einem Krankenhaus befindet, ist nach Angaben der US-Regierung nicht in Gefahr. Hussein werde seit Montag mit Hilfe eines Schlauches ernährt und habe dem selbst zugestimmt, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, in Washington. Im Übrigen hätten Hussein und drei ebenfalls im Hungerstreik befindliche Mitangeklagte im laufenden Prozess auch nach Beginn ihrer Aktion Kaffee und Wasser mit Vitaminen und Mineralien zu sich genommen. Alle vier befänden sich "bei guter Gesundheit".

Saddam Hussein (69) war am Sonntag ins Krankenhaus gebracht worden, weil sich angeblich sein Gesundheitszustand verschlechtert hatte. Der Ex-Diktator und sieben weitere ehemalige Regime-Funktionäre müssen sich seit Oktober des Vorjahres vor einem irakischen Sondergericht wegen der Hinrichtung von 148 Schiiten aus dem Dorf Dujail im Jahr 1982 verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat für Saddam Hussein, den ehemaligen Vize-Präsidenten Taha Yassin Ramadan und Husseins Halbbruder Barsan Ibrahim al-Tikriti die Todesstrafe gefordert. Mit den Urteilen wird Mitte August gerechnet.

Unzureichender Schutz für Verteidiger

Vor 16 Tagen hatten der frühere Diktator und drei seiner Mitangeklagten begonnen, die Nahrungsaufnahme zu verweigern. Sie protestieren damit gegen den aus ihrer Sicht unzureichenden Schutz ihrer Verteidiger. Bisher wurden drei Anwälte Husseins in Bagdad ermordet.

Dem Protest hatte sich auch der frühere Polizeichef Tikriti angeschlossen, er erschien am Montag aber dennoch vor Gericht. Bei seinem Auftritt lehnte er einen Zwangsverteidiger ab und bat darum, in seine Zelle zurückkehren zu können. Richter Rauf Abdel Rahman wies dies zurück. Er bat die Staatsanwaltschaft, Tikriti auch wegen "Anstiftung zum Mord" anzuklagen.

Rahman wies die Forderung Tikritis nach einer Verschiebung des Prozesses wegen der prekären Sicherheitslage für die Anwälte als "politisch motivierte Obstruktion" zurück. "Der Prozess soll zu Ende gehen und die Gerechtigkeit soll sprechen", sagte er.

Eigentlich hätten am Montag die Plädoyers der Verteidigung von Ex-Vize-Präsident Ramadan und des früheren Präsidenten des Revolutionsgerichts, Awad al-Bandar, gehört werden sollen. Sämtliche Anwälte blieben jedoch der Verhandlung fern. Ein weiterer Prozess gegen den irakischen Ex-Präsidenten wegen Völkermords an den Kurden im Nordirak soll am 21. August beginnen. Unterdessen erschossen in Taji, etwa 30 Kilometer nördlich von Bagdad, Unbekannte drei Menschen. (APA/dpa)

Share if you care.