Sexuelle Belästigung: Zweiter Fall von Kündigung des Opfers

24. Juli 2006, 12:15
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AK-Intervention brachte entlassener Bürokauffrau finanzielle Entschädigung - Kündigungs-Anfechtung wäre erfolgreich gewesen

Linz - Sie wollte weder mit ihm "auf ein Getränk gehen" noch wollte sie ihm "sexy Fotos zeigen". Weil eine Beschäftigte die Anzüglichkeiten ihres Vorgesetzen nicht dulden wollte, wurde sie gekündigt. Nach einer Intervention der Arbeiterkammer bekam die Frau zumindest 720 Euro Schadenersatz.

Die Bürokauffrau war über eine Leasingfirma in einem Gewerbebetrieb eingesetzt. Ihr dortiger Vorgesetzter versuchte zunächst, sie zu einem "Getränk nach der Arbeit" zu überreden. Als sie ablehnte, schickte er ihr regelmäßig SMS und E-Mails mit anzüglichem Inhalt, etwa dass er sich "sexy Fotos" von ihr wünsche. Trotz ihrer Hinweise, dass sie sich belästigt fühle, hörte der Mann damit nicht auf.

Von Leasingfirma gekündigt

Die Frau wollte unter diesen Umständen nicht mehr dort arbeiten und ersuchte ihren Arbeitgeber, die Leasingfirma, sie in einem anderen Betrieb einzusetzen. Als Konsequenz wurde sie von der Leasingfirma gekündigt. Offizielle Begründung: Man habe momentan keine andere Einsatzmöglichkeit für sie.

Nach einer Intervention der Arbeiterkammer bekam die Frau von dem Mann, der sie belästigt hatte, zumindest Schadenersatz nach dem Gleichbehandlungsgesetz in Höhe von 720 Euro.

Kündigungs-Anfechtung

Für die Expertinnen der AK-Gleichbehandlungsberatung ist dies binnen kurzer Zeit der zweite Fall von sexueller Belästigung, bei dem nicht der Täter, sondern das Opfer gekündigt wurde. Eine Kündigungs-Anfechtung wäre in solchen Fällen zwar durchaus Erfolg versprechend. Meist wollen die betroffenen Frauen dies aber gar nicht - aus verständlichen Gründen.

Die Arbeiterkammer weist deshalb darauf hin, dass sexuell belästigte Frauen nicht nur Schadenersatzansprüche gegenüber dem Täter, sondern auch gegenüber dem Arbeitgeber geltend machen können, "wenn dieser es schuldhaft unterlässt, angemessene Abhilfe zu schaffen."

So weit sollte es aber gar nicht kommen, meint AK-Präsident Johann Kalliauer: "Ein klärendes Gespräch des Arbeitgebers mit dem Belästiger sollte selbstverständlich sein. Und bei weiterer Belästigung muss der Arbeitgeber Konsequenzen ziehen." (red)

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