Zuspruch über Erwartungen

25. Juli 2006, 11:06
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Knapp 1,9 Millionen Arbeitnehmer sind bis Ende Mai in das seit 2003 geltende neue Abfertigungsmodell gewechselt

Wien - Knapp 1,9 Millionen Arbeitnehmer sind bis Ende Mai in das seit 2003 geltende neue Abfertigungsmodell gewechselt. Das seien deutlich mehr als ursprünglich erwartet, sagte der stellvertretende Wirtschaftskammer-Generalsekretär Reinhold Mitterlehner am Montag. Ihm zufolge waren zum Ende des ersten Quartals in den Mitarbeitervorsorgekassen bereits 812 Mio. Euro veranlagt, 16 Prozent mehr als noch Ende 2005.

Mitterlehner sieht in den Daten vor allem einen Beleg für die hohe Mobilität der österreichischen Arbeitnehmer. Großteils handle es sich bei den Arbeitnehmern im neuen Modell um Leute, die in den vergangenen drei Jahren den Dienstgeber gewechselt hätten. Für Mitarbeiter im alten Abfertigungsmodell sei der Wechsel in die "Abfertigung Neu" kaum attraktiv, sagte Mitterlehner zur APA. Nur knapp 25.000 Arbeitnehmer wechselten bis Ende Mai freiwillig aus dem alten System - meist, weil die Überführung der Ansprüche in die neuen Vorsorgekassen für die Unternehmen aus Bilanz-Gründen attraktiv war.

Betriebliches Vorsorgemodell

Grundidee hinter der "Abfertigung Neu" ist für die Wirtschaftskammer eigentlich ein betriebliches Vorsorge-Modell für eine Zusatzpension. Mitterlehner ortet allerdings vor allem bei kleineren Einkommensbeziehern die "Tendenz", sich die Abfertigung wie früher nach der Kündigung ausbezahlen zu lassen. Möglich ist das erst nach drei Jahren - im neuen System, für die Pioniere der "Abfertigung Neu", seit Februar dieses Jahres. Wie viele tatsächlich sich die "Abfertigung Neu" seither auszahlen haben lassen, ist laut Mitterlehner allerdings noch nicht bekannt. Es gebe noch keine gesammelten Daten, so der Kammer-Funktionär.

Mitterlehner rät den Arbeitnehmern grundsätzlich dazu, die Abfertigung länger zu veranlagen. Dann sei auch die Rendite höher. Die durchschnittliche Rendite seit Beginn des Systems lag zuletzt bei 4,33 Prozent jährlich. Dabei seien aber auch die anfänglichen Verwaltungskosten berücksichtigt, betonte Mitterlehner. 2005 habe die Rendite schon 5,47 Prozent betragen. Ein objektiven Durchschnittszinssatz werde man erst nach zehn Jahren berechnen können. Mitterlehner geht aber davon aus, dass er die angepeilten 6 Prozent per Anno erreichen wird. Forderungen der Versicherungswirtschaft, die Mindestbindung für die "Abfertigung Neu" von drei auf zehn bis zwölf Jahre auszudehnen, hielte der Kammerfunktionär für "sinnvoll". Eine solche Änderung komme aber nur dann in Frage wenn auch die Gewerkschaft dies mittragen würde.

Anspruch auch bei Selbstkündigung

Die Arbeitnehmerseite hatte der "Abfertigung Neu" damals zugestimmt. Arbeitnehmer zahlen dafür 1,53 Prozent des jeweiligen Bruttoverdienstes in eine der Mitarbeitervorsorgekassen (MVK) ein, die dieses Geld dann veranlagen. Zwar wird dadurch der im alten System vorgeschriebene Maximalanspruch nicht wie bis jetzt nach 25 Jahren, sondern - abhängig von der erreichbaren Verzinsung - vermutlich frühestens nach 37 Jahren erreicht. Entscheidender Vorteil der "Abfertigung neu" ist aber, dass auch bei Selbstkündigung der Anspruch erhalten bleibt und der Arbeitnehmer bereits nach dem ersten Probemonat einen Anspruch auf Abfertigung erwirbt.

Vorteile ergeben sich auch, wenn das Unternehmen Pleite geht. Musste früher der Insolvenzentgeltsicherungsfonds einspringen, liegen die Abfertigungsansprüche im neuen Modell sicher in der Vorsorgekasse. Kam früher ein Drittel der gesamten Aufwendungen für Abfertigungen im Rahmen von Insolvenzen aus dem Fonds, sind es laut Wirtschaftskammer jetzt nur noch 20 Prozent. Mitterlehner forderte deshalb, dass die Zahlungen der Betriebe in den Insolvenzentgeltsicherungsfonds von 0,7 Prozent auf 0,5 Prozent der Lohnsumme gesenkt werden, und hofft dadurch auf eine weitere Lohnnebenkostensenkung. "Die Entlastung für die Wirtschaft wäre etwa 160 bis 180 Mio. Euro und würde den geringeren Aufwänden des Insolvenzentgeltsicherungsfonds entsprechen", so Mitterlehner. (APA)

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