Israel weitet Bodenoffensive im Südlibanon aus

24. Juli 2006, 18:50
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Kämpfe in "Hisbollah-Hauptstadt" - Neun Raketenabschussrampen zerstört - Zwei Hisbollah-Milizionäre gefangen genommen - Saudis bitten Bush um Vermittlung

Jerusalem/Berlin - Die israelische Armee hat am Montagmorgen ihre Bodenoffensive im Südlibanon ausgeweitet. Die Kämpfe zwischen israelischen Soldaten und Milizionären der radikal-islamischen Terrororganisation Hisbollah fanden vor allem in der Umgebung der Ortschaft Bint Jbayel, die als "Hisbollah-Hauptstadt" gilt, statt. Dabei seien mindestens neun israelische Soldaten verletzt worden. Auf der israelischen Seite der Grenze standen in Avivim mehrere Krankenwagen zur Versorgung von Kampfopfern bereit. In der Nacht und am frühen Morgen flog die israelische Luftwaffe rund 40 Angriffe im Libanon, hieß es; neun hätten auf Raketenwerfer der Hisbollah gezielt.

Israelische Artillerie belegte das Kampfgebiet im südlichen Libanon mit anhaltendem Feuer. Die kämpfenden Soldaten wurden von Jets und Hubschraubern aus der Luft unterstützt. Nach Einnahme des nahe gelegenen, strategisch wichtigen Orts Maroun al-Ras am Wochenende rückte die Armee weiter vor. Ihr gelang es, neun Abschussrampen der Hisbollah zu zerstören. Eine davon sei in Richtung Haifa ausgerichtet gewesen, hieß es. Die israelische Hafenstadt hatte seit Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen die schwersten Raketenangriffe erlitten. Israelische Medien berichteten, die Armee rechne damit, dass die Kämpfe im Libanon noch sieben bis zehn Tage andauern könnten.

Zwei Hisbollah-Milizionäre gefangen genommen

Die israelische Armee nahm bei einem Gefecht im Südlibanon zwei Hisbollah-Milizionären gefangen und brachte sie nach Israel. Dies teilten Militärsprecher am frühen Montag mit. Es handle sich um die ersten Gefangenen, die die israelischen Truppen seit Beginn ihrer Offensive gemacht hätten, berichtete der israelische Armeesender.

Olmert: Internationale Truppe muss starkes Mandat haben

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sagte dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier nach Medienberichten bei einem Treffen am Sonntag, Israel schließe die Aufstellung einer internationalen Truppe im Süden des Libanon nicht aus. Diese müsse jedoch über ein robustes Mandat verfügen, betonte Olmert den Angaben zufolge.

Luftwaffe greift Ziele im Gazastreifen an Unterdessen geht allen Berichten über Pläne für eine Waffenruhe zum Trotz die Gewalt im Gazastreifen weiter. Die israelische Luftwaffe griff in der Nacht zum Montag das Haus eines Hamas-Aktivisten im Flüchtlingslager Shati mit einer Rakete an. Nach palästinensischen Augenzeugenberichten entstand Sachschaden, es gab aber keine Opfer. Die israelische Armee erklärte, in dem Haus hätten die radikalislamischen Organisationen Hamas und Islamischer Jihad Raketen und andere Waffen gelagert.

Wenige Minute nach diesem Angriff explodierte im Norden des Gazastreifens neben einem kleinen Krankenhaus eine israelische Panzergranate. Nach Berichten von Krankenhausmitarbeitern gingen Fenster zu Bruch. Es sei niemand verletzt worden.

Am frühen Sonntagmorgen hatten militante Palästinenser von Gaza aus fünf Raketen auf Israel abgefeuert. Am Samstag verlautete noch aus palästinensischen Regierungskreisen, Hamas, Islamischer Jihad und die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden hätten sich auf eine Feuerpause mit Israel geeinigt, falls Israel seine Offensive im Gazastreifen stoppe. Die radikalen Terrororganisationen hatte diesen Bericht aber dementiert.

Saudis bitten Bush um Vermittlung

Saudi-Arabien bat US-Präsident George W. Bush am Sonntag offiziell um eine Intervention im Nahostkonflikt. Er habe dem US-Präsidenten einen Brief von König Abdullah überreicht, in dem der Monarch Bush bitte, sich um einen sofortigen Waffenstillstand in der Region zu bemühen, erklärte der saudische Außenminister Prinz Saud al-Faisal nach einem einstündigen Treffen mit Bush im Weißen Haus.

An dem Gespräch nahm auch Außenministerin Condoleezza Rice teil, bevor sie nach Israel abflog. Es ist der erste diplomatische Auftritt der USA in der Region seit Beginn der israelischen Angriffe auf Libanon am 12. Juli. Bisher haben Bush und Rice alle Forderungen nach einem sofortigen Waffenstillstand zurückgewiesen. Rice telefonierte vor ihrer Nahostreise auch mit dem libanesischen Ministerpräsident Fouad Siniora.

Einsatz kann noch Wochen dauern

Trotz der verstärkten internationalen Schlichtungsbemühungen rechnet die israelische Armee nicht mit einem baldigen Ende ihres Einsatzes im Libanon. Die Offensive gegen die radikalislamische Hisbollah werde noch mehrere Wochen weitergehen, sagte der für Nordisrael zuständige General Udi Adam am Sonntagabend im Rundfunk. Ziel der Armee sei der "Sieg" gegen die Hisbollah. "Sieg bedeutet, dass die Hisbollah nicht mehr an der Grenze präsent ist und keine Raketen mehr abfeuern kann", sagte der General. "Wie lange das dauert? Ich denke, mehrere Wochen", fügte er hinzu. (APA/dpa/Reuters)

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    Israelische Soldaten nahe der nordisraelischen Stadt Kiryat Shmona nach Raketenangriffen der Hisbollah

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