Rice: "Wurzeln des Konflikts müssen gelöst werden"

24. Juli 2006, 18:50
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Überraschender Besuch in Beirut: "Zutiefst besorgt" über Lage der Bevölkerung - Hilfsmaßnahmenankündigt - US-Außenministerin am Abend in Israel - Waffenstillstand "nur vorübergehende Lösung"

Shannon/Irland - US-Außenministerin Condoleezza Rice ist am Montag zu einem zuvor nicht angekündigten Besuch in Beirut eingetroffen und hat sich bei ihrem Besuch in Beirut "zutiefst besorgt" über die Lage der libanesischen Bevölkerung und deren Leiden geäußert. "Und ich bin natürlich auch über die humanitäre Situation besorgt", sagte Rice vor einem Treffen mit dem libanesischen Parlamentspräsidenten Nabih Berri.

Berri wurde von der Hisbollah für Verhandlungen über einen möglichen Gefangenenaustausch mit Israel ausgewählt. Zuvor hatte sich die US-Außenministerin zwei Stunden lang mit Ministerpräsident Fouad Siniora unterhalten. Nach dem Gespräch äußerte sie sich nicht öffentlich.

US-Außenministerin am Abend in Israel

Rice wurde am Montag auch in Israel erwartet, wo sie nach ihrem Aufenthalt in Beirut eintreffen sollte. Am Abend wird Rice zu Gesprächen mit dem israelischen Regierungschef Ehud Olmert in Jerusalem zusammentreffen, um mit ihm über die Möglichkeiten eines "nachhaltigen" Waffenstillstands im Libanon zu sprechen. Am Dienstag will sie im Westjordanland mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas zusammenkommen. Einen Tag später reist die US-Außenministerin dann zur Teilnahme an einer internationalen Nahost-Konferenz nach Rom.

"Wurzeln des Konflikts müssen gelöst werd

Rice hat Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Syrien zur Beilegung der Krise im Nahen Osten angedeutet. Rice sagte am Sonntag, das schlechte Verhältnis zwischen Washington und Damaskus werde überbewertet. Die USA unterhielten trotz der Abberufung ihres Botschafters im vergangenen Jahr nach wie vor diplomatische Beziehungen zu Damaskus. "Das Problem ist nicht, dass man nicht mit den Syrern geredet hat. Es ist vielmehr, das die Syrer nicht gehandelt haben", sagte die Ministerin. Die USA betrachten Syrien als einen der größten Förderer des Terrorismus. Die Regierung Bush gibt Syrien und dem Iran die Schuld an der jüngsten Welle der Gewalt im Nahen Osten.

Waffenstillstand "nur vorübergehende Lösung"

Die Ausrufung eines Waffenstillstands sei allerdings nur eine vorübergehende Lösung, sagte Rice zudem am Montag. Auf politischer Ebene müssten die Wurzeln des Konflikts gelöst werden, damit die Waffen langfristig zum Schweigen gebracht würden. Rice zeigte sich bereit, am Ende der Woche nach einem asiatischen Regionalgipfel in Malaysia erneut in den Nahen Osten zu reisen.

Haniyeh ruft USA zu Einsatz gegen Gewalt im Gaza-Streifen auf

Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Haniyeh hat indessen die USA aufgerufen, sich für ein Ende der israelischen Angriffe im Gaza-Streifen einzusetzen. Die US-Regierung müsse ihrer Verantwortung als Weltmacht gerecht werden und angesichts des Leidens der Palästinenser handeln, sagte der Hamas-Politiker am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur AP in Gaza. Die Lage im Gaza-Streifen gleiche einer humanitären Katastrophe. (APA/AP)

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    Condoleezza Rice und der libanesische Ministerpräsidenten Fouad Siniora.

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