Golf: Elfter Major-Titel für Woods

25. Juli 2006, 08:47
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Dritter Triumph bei den British Open in Liverpool - Nach souveränem Schlusstag fielen Tiger-Tränen auf das letzte Grün

Liverpool - Tiger Woods hat in seiner großartigen Karriere als bester Golfprofi der Welt ein neues Kapitel aufgeschlagen. Der 30-jährige Titelverteidiger gewann am Sonntag zum dritten Mal nach 2000 und 2005 die British Open und feierte mit dem Sieg bei den 135. Open im Royal Liverpool GC seinen elften Major-Titel seit 1997.

Bei seinem Start-Ziel-Sieg mit 270 Schlägen (67+65+71+67) vor 250.000 Zuschauern auf dem Par-72- Dünenkurs im mondänen Bad Hoylake nahm der Tiger wieder die Spur des legendären "Golden Bear" Jack Nicklaus auf. Der Amerikaner hat in seiner Karriere bisher unerreichte 18 Major-Titel gesammelt und beim Abschied 2005 Woods schon als Erbe "geadelt".

Während der Österreicher Markus Brier nach seinem hauchdünn verpassten Cut mit 144 Schlägen auf Rang 71 das Duell der Giganten nur noch vor dem Fernseher verfolgte, hatte Woods der Weltelite bei seinem vierten Sieg in diesem Jahr die Grenzen aufgezeigt. Unter Tränen im Gedenken an seinen im Mai gestorbenen Vater Earl verließ Woods das letzte Grün.

Landsmann Chris DiMarco (272) kam nach hartem Duell auf Platz zwei im Kampf um die "Silberne Rotweinkanne" (Claret Jug) vor Ernie Els (275/Südafrika). Woods ist der erste Spieler seit 23 Jahren (Tom Watson 1983), der das älteste und prestigereichste Golfturnier der Welt zweimal in Folge gewonnen hat

Mit dem Siegerscheck von 1,045 Millionen Euro überholte Woods in der 400. Jubiläums-Woche als Weltranglisten-Erster auch seinen Landsmann und Weltranglisten-Zweiten Phil Mickelson auf Platz eins in der Geldrangliste. Mickelson (Rang 22/283) galt als großer Widersacher nach seinen Major-Siegen (US-PGA-Championship 2005/Masters 2006). Der Kalifornier kam aber nie in die Verlegenheit, am Thron von Woods zu rütteln. Die Europäer warten seit dem Sieg des Schotten Paul Lawrie bei dessen Heimsieg 1999 in Carnoustie auf einen Nachfolger.

Der vorentscheidende Schlag gelang Woods mit einem Eagle am fünften Grün, auf dem er sich um drei Schläge absetzen konnte. Nach seinem ersten Bogey der Runde am zwölften Grün wackelte der Kalifornier. Landsmann DiMarco konterte auf 14 unter Par und war nur noch einen Schlag entfernt. Aber prompt legte der Spitzenreiter mit drei Birdies in Serie nach und ließ nichts mehr anbrennen. Bei den zehn Major-Titeln zuvor hatte Woods nach drei Runden zumindest die 54-Loch-Führung geteilt.

Das feuerrote Hemd von Tiger Woods gehörte wie immer am Finaltag zum Standard auf der letzten Runde. Wieder hatte sich Woods für die Defensiv-Taktik mit den genaueren Eisen für den (streuenden) Driver beim jeweiligen Abschlag entschieden, um jeden gefährlichen Bunker zu meiden. Kontrolliert und präzise wie ein Uhrwerk setzte der 30-Jährige das an der Seite seines spanischen Flight-Partners Sergio Garcia um, der am Samstag noch mit einer 65er-Runde um einen Schlag hinter Woods auf Rang zwei lag.

Aber die vom Tiger wie paralysierte Konkurrenz spielte dem Dominator in die Hände, der die Gegner alle vor sich im Blick hatte. Der 26-jährige Garcia brach ein und wurde im Schlussspurt noch Fünfter. Nur der 37-jährige DiMarco, der seine am vierten Juli verstorbene Mutter verloren hatte, hielt halbwegs mit. 2002-Open-Sieger Els ließ Zug um Zug Federn. Der Weltranglisten-5. Jim Furyk (USA) spielte sich noch auf Platz vier und der völlig unbekannte Hedito Tanihara auf fünf.

Der Triumph von Woods kam im nur dritten Turnier, das er seit dem Tod seines Vaters Earl gespielt hat. Prompt brach er in den Armen seines Caddies Steve Williams am letzten Grün in tränen aus. "Steve hat noch draußen auf dem Fairway gesagt, 'das ist für Dad', und als ich dann fertig war, sind die ganzen Emotionen richtig aus mir herausgebrochen", sagte Woods und gestand einmal mehr: "Ich vermisse meinen Vater so sehr. Ich wünschte, er könnte hier sein und mir zusehen, wie ich Major-Titel gewinne. Das hat er immer so gerne getan." (APA/dpa/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Tiger Woods wieder auf den Spuren des legendären "Golden Bear" Jack Nicklaus.

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