Skoceks Zeitlupe: My club, my castle

19. Oktober 2006, 15:16
18 Postings

Italiens Kraft, die größte im europäischen Klubfußball, dürfte auf absehbare Zeit gebrochen sein

In Italien gehen sie tatsächlich gegen die Betrügereien im Fußball vor, die korrupte Haltung, die man mit Berlusconi identifizierte, weicht. Das bringt Opfer mit sich, denn Italiens Fans und Fußballklubs verlieren etliche ihrer besten Kicker an ausländische Vereine.

Italiens Kraft, die größte im europäischen Klubfußball, dürfte auf absehbare Zeit gebrochen sein. Juventus und die anderen Schieberei-Profiteure sind selber schuld. Die opportunistische Forderung, die Klubs aus Rücksicht auf die ach so armen und tollen Weltmeister-Kicker von Tormann Buffon abwärts zu schonen, wäre ein richtig italienischer Schmäh gewesen. Doch er hätte wahrscheinlich sogar das Rechtsempfinden der Fans beleidigt.

Real Madrid und Barcelona holten sich bisher die prominentesten italienischen Know-how-Träger, die Schwäche Italiens kommt freilich auch England, Deutschland und Frankreich zugute. Spaniens und Englands Vereine haben außerdem das Glück, dass ihre Nationalteams bei der WM früh ausschieden, die Teamkicker wieder trainieren.

Doch Arsenals Coach Wenger klagte, dass der Großteil seiner Stars noch urlaubt. Wenger muss der unterbegabten Engländer wegen hauptsächlich Ausländer beschäftigen, um weiterzukommen. Am Freitag fehlten ihm zwölf Mann, darunter zwei Engländer.

Manchmal behindert den Erfolg nichts so stark wie der Erfolg. Von Österreich aus betrachtet quält Wenger ein Luxusproblem. Hier marginalisieren Trapattoni, Stöger und Kollegen auch die fürs Team Selektionierbaren. Noch effizienter wäre nur ein Schiebungsskandal, aber das widerspricht dem Fairnessideal der Engländer und übersteigt die Fantasie der Österreicher. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 24. Juli 2006, Johann Skocek)

Share if you care.