Dicke Luft über Österreich

27. Juli 2006, 20:45
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Belasteten Gebiete in Österreich haben sich in nur zwei Jahren mehr als verdoppelt

Die durch schlechte Luft belasteten Gebiete in Österreich haben sich in nur zwei Jahren mehr als verdoppelt. Dies zeigt eine neue Verordnung des Umweltministeriums. Jedes Bundesland ist betroffen -strenge Richtlinien für viele Großprojekte sind die Folge.

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Wien/Graz/Innsbruck - Die durch Luftschadstoffe "Belastete(n) Gebiete"in Österreich sind in den letzten beiden Jahren deutlich größer geworden. Das ist der neuen Verordnung des Umweltministeriums (BGBl. 262/2006) zu entnehmen, die vor einer Woche, am 17. Juli, in Kraft getreten ist. Die Öffentlichkeit wurde vom Ministerium davon nicht in Kenntnis gesetzt.

Die Fläche der vor allem durch Feinstaub (PM10) aber auch durch Stickstoffdioxid (NO2) belasteten Gebiete hat sich seit der Verordnung aus dem Jahr 2004 insgesamt mehr als verdoppelt, in einigen Bundesländern gar verdreifacht. Erstmals sind das gesamte Burgenland, die Südsteiermark, das Wiener Becken und in Tirol nun die gesamte Inntalfurche zwischen Kufstein und Landeck (150 Kilometer) betroffen. Kein Bundesland ist von den Luftbelastungen völlig ausgenommen.

Ein Streifen im Osten

In Ostösterreich ist nach dieser neuen Verordnung nun ein großer zusammenhängender Gebietsstreifen von Norden bis Süden belastet: von den Bezirken Mistelbach und Korneuburg über Wien (zur Gänze) und Wiener Neustadt, dem Burgenland bis zu den vier südsteirischen Bezirken Fürstenfeld, Feldbach, Leibnitz und Radkersburg.

Schlecht ist die Luft vor allem in und im Umfeld von vielen Landeshauptstädten: in den Großräumen von Graz, Linz, Innsbruck, den Städten Salzburg und St. Pölten und Teilen von Klagenfurt.

In Tirol ist es dem hohen Transitaufkommen zuzuschreiben, dass im Inntal, Innsbruck inklusive, neben Feinstaub vor allem Stickstoffdioxid (NO2) zu schaffen macht. Hier wurde in den letzten Jahren ein signifikanter Anstieg von Atemwegserkrankungen bei Kindern und Jugendliche registriert.

Autobahn-Probleme

Auch entlang der A1 (zwischen Enns und Haid in Oberösterreich) und der Tauernautobahn A10 (vom Knoten Salzburg bis Golling) gibt es Belastungen durch das vor allem auf den Schwerverkehr zurückzuführende NO2. Laut Immissionsschutzgesetz (IG)-Luft, das einer EU-Richtlinie folgt, darf beim Feinstaub ein Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht öfter als an 30 Tagen überschritten werden, bei NO2gilt ein Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm/Kubikmeter als Grenzwert.

In den vom Umweltministerium nun ausgewiesenen "Sanierungsgebieten"gelten besonders strenge Schwellenwerte für eine Reihe von Vorhaben: Etwa für den Ausbau oder Neubau größerer Straßen oder Parkplätze, die Errichtung von Industrie- und Gewerbeparks, von Freizeitanlagen oder Stadien, für bestimmte Produktionsstätten (etwa für Roheisen, Zement oder Glas). Im Einzelfall muss geprüft werden, ob eine eigene Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen ist. (Benedikt Sauer, DER STANDARD Printausgabe 24.7.2006)

  • Die Luftqualität wird schlechter -vor allem im Umfeld von Landeshauptstädten und von Autobahnen.

    Die Luftqualität wird schlechter -vor allem im Umfeld von Landeshauptstädten und von Autobahnen.

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