Nahost-Konflikt auf ganz privater Ebene: "Alles was ich an euch liebe" im Kino

23. Juli 2006, 19:59
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Leichte Kost über einen Schwiegersohn aus Palästina, der in eine bereits unentspannte Familiensituation platzt

Wien - Eine junge Spanierin, erfolgreiche TV-Ansagerin, hat endlich den Mann ihres Lebens gefunden. Er ist Literaturprofessor und stellt sie nicht nur mit seinen intellektuellen Qualitäten zufrieden. Einziger schwelender Konfliktherd: Leni Dalinsky (Marian Aguilera) entstammt einer jüdischen Familie, während ihr Verlobter Rafi (Guillermo Toldedo) palästinensischer Herkunft ist. Der Moment scheint unabwendbar, an dem sie ihre Verwandtschaft daüber aufklären muss.

"Alles was ich an euch liebe"/ "Seres queridos" entstand bereits 2004 als spanisch-argentinisch-portugiesisch-britische Koproduktion. Dass er gerade jetzt ins Kino kommt, ist weniger einer konkreten Aktualität geschuldet, als den Routinen des Arthouse-Verleihbetriebs, der in den Sommermonaten gerne leichte Kost ins Rennen schickt. Schließlich ist der Film von Teresa de Pelegri und Dominic Harari in erster Linie eine recht klassisch gestrickte Boulevardkomödie.

Standards und Figuren dieses Genres werden hier unter der Prämisse "Culture Clash"und vor dem Hintergrund des andauernden israelisch-palästinensischen Konflikts auf ganz privater Ebene variiert: Da gibt es die Matriarchin, die ihren Biederehemann der Untreue verdächtigt, die ältere Tochter, die samt Nachwuchs noch zu Hause lebt, den Großvater, der zwecks Territorialverteidigung immer noch eine Flinte im Schrank versteckt oder den pubertierenden Sohn, der sein Heil in orthodoxer Religiosität sucht und damit die Familie terrorisiert.

In diese an sich schon unentspannte Familiensituation platzt Leni, die ihren Verlobten im Schlepptau hat. Dessen "Makel", Palästinenser zu sein, wird noch durch ein Missgeschick verstärkt: Der Schwiegersohn in spe will sich in der Küche nützlich machen und lässt versehentlich einen großen tief gefrorenen Suppenblock aus dem Fenster fallen. Unten geht ein Mann zu Boden, und als wäre das noch nicht schlimm genug, scheint es sich dabei um das Familienoberhaupt zu handeln.

Der Film spickt all dies mit kalauernden Dialogen ("Eher gibt's Frieden in Israel, als dass dein Vater mich zum Orgasmus bringt!"), ein bisschen Körperkomik und Frivolität - richtig böse darf es aber nicht werden. Laue Sommerunterhaltung eben. (Isabella Reicher/DER STANDARD, Printausgabe, 24.7.2006)

Jetzt 8Juli 2006) im Kino
  • Seltsame Küchenpraxis: Die neurotische Matriarchin und ihr ungeschickter Schwiegersohn in spe, ein Palästinenser, in der Komödie "Alles was ich an euch liebe".
    foto: filmladen

    Seltsame Küchenpraxis: Die neurotische Matriarchin und ihr ungeschickter Schwiegersohn in spe, ein Palästinenser, in der Komödie "Alles was ich an euch liebe".

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