Serbisch-albanischer Kosovo-Gipfel heute in Wien

24. Juli 2006, 15:55
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Entscheidende Phase der Verhandlungen: Direkte Gespräche zwi­schen Belgrad und Pristina über den künftigen Status

Die Verhandlungen über die Zukunft des Kosovo treten in die entscheidende Phase. Heute haben in Wien direkte Gespräche zwischen Belgrad und Pristina über den künftigen Status der mehrheitlich albanisch besiedelten serbischen Provinz begonnen.

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Zum Auftakt der entscheidenden Kosovo-Verhandlungen in Wien haben die Präsidenten und Ministerpräsidenten Serbiens und des Kosovo, Boris Tadic und Vojislav Kostunica auf der einen, Fatmir Sejdiu und Agim Ceku, auf der anderen Seite, ihre Teilnahme bestätigt.

Obwohl sich zum ersten Mal so hochkarätige Politiker der beiden Konfliktparteien durch die Vermittlung der UN an einen Tisch setzen werden, wird kein Durchbruch erwartet. Die serbische Delegation werde darlegen, warum die Unabhängigkeit des Kosovo nicht infrage komme und wie eine wesentliche Autonomie des Kosovo im Rahmen Serbiens ausschauen soll, schreiben serbische Medien.

Die Vertreter der Kosovo-Albaner werden dagegen begründen, warum für sie jede andere Lösung als die international an-erkannte Selbstständigkeit ausgeschlossen sei und was die Regierung für die Menschenrechte und lokale Selbstverwaltung der Serben in der Provinz tun werde, erklärte in Priatina Premier Agim Ceku.

"Gefährliche Idee"

Je schneller man die "gefährliche"Idee vergesse, auf serbischem Territorium einen neuen Staat aufzubauen, desto besser werde es für alle und für die Stabilität in der ganzen Region sein, sagte dagegen Koatunica. Seine Reise nach Wien blieb bis zum letzten Augenblick ungewiss, weil gegen seinen albanischen Kollegen Ceku in Serbien wegen an serbischen Zivilisten begangenen Kriegsverbrechen ermittelt wird und ein Haftbefehl ausgeschrieben ist.

Ceku war Kommandant der albanischen Untergrundbewegung "Kosovo Befreiungsarmee"(UÈK), die gegen serbische Streitkräfte kämpfte. Während sich die Albaner, die zu über neunzig Prozent den Kosovo bewohnen, nach der langjährigen Unterdrückung Serbiens auf Gerechtigkeit und Volkswillen berufen, besteht Belgrad auf internationalem Recht, das die Souveränität und territoriale Integrität eines demokratischen Staates garantiere.

Alle maßgebenden politischen Kräfte in Serbien beteuerten, eine aufgedrängte Unabhängigkeit des Kosovo "niemals"zu akzeptieren. Denn auch kommende Generationen in Serbien würden sich mit der Loslösung des Kosovo nicht abfinden, was die Ursache für zukünftige Konflikte sei.

Die bisherigen acht Gesprächsrunden in Wien zwischen Belgrad und Priatina über technische Fragen vor dem Beginn der Statusgespräche haben fast keine Resultate gebracht. Man konnte sich nicht einmal über Schutzzonen für serbisch-orthodoxe Kirchen und Klöster einigen, geschweige denn über die Dezentralisierung, die für die Durchsetzung demokratischer Standards in der Provinz wesentlich ist. (Andrej Ivanji aus Belgrad/DER STANDARD, Printausgabe, 24. juli 2006)

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    Montenegro ist schon dahin: Vor dem Parlament in Belgrad zogen am Sonntag Soldaten die Flagge des neuen Staates Serbien auf, nachdem sich die kleinere Teilrepublik für unabhängig erklärt hat.

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