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10. Juli 2007, 15:15
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Unfruchtbarkeit zuerst beim Mann abgeklären - Eine andrologische Untersuchung beim Urologen ist weder schmerzhaft noch unangenehm

Bei unerfülltem Kinderwunsch sollte zuerst sichergestellt werden, dass die Ursache nicht beim Mann zu finden ist. Denn im Vergleich mit den aufwändigen Untersuchungen bei der Frau kann beim männlichen Part eine eingeschränkte Zeugungsfähigkeit relativ schnell festgestellt werden.

Männer warten zu lange

"Leider warten viele Männer viel zu lange damit", weiß Primarius Claus Riedl, Vorstand der Urologischen Abteilung im Thermenklinikum Baden. "Nicht zuletzt auch deshalb, weil das Problem traditionell zuerst bei der Frau vermutet wird."

Die Sexualanamnese

Die Untersuchung beim Facharzt beginnt mit einer genauen Erhebung des Gesundheitszustandes. Obligater Bestandteil der Befragung ist die Sexualanamnese, um den Status quo von Libido, Potenz, Ejakulation, Häufigkeit und Timing des Geschlechtsverkehrs zu evaluieren. Hier können Erektionsstörungen und depressive Stimmungslagen erste Hinweise auf einen möglichen Testosteronmangel geben. Bei der klinischen Untersuchung werden die äußerlichen Geschlechtsteile abgetastet und mittels Ultraschall Prostata, Samenblasen und Hoden inspiziert.

Kontrolle des Ejakulates

Der nächste Schritt ist die Kontrolle des Ejakulates, das so genannte Spermiogramm. Primarius Riedl: "Die Ejakulation muss nicht unbedingt in der Ordination oder Klinik erfolgen, nur sollte die anschließende Laboruntersuchung binnen maximal einer Stunde durchgeführt werden."Dort wird die Samenflüssigkeit mikroskopisch auf Quantität, Beweglichkeit und Qualität der Spermien kontrolliert.

Zwei Samenproben zur Analyse

Untersuchungen beweisen, dass die Qualität des Spermas großen Schwankungen unterworfen ist. Deshalb raten Experten ihren Patienten dazu, zwei Samenproben im Abstand von einigen Tagen bis vier Wochen zur Ejakulat-Analyse abzugeben.

Qualität nach WHO

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert ein normales Spermiogramm folgendermaßen: Bei einer Ejakulatmenge von zwei bis acht Millilitern sollen pro Milliliter mehr als 20 Millionen Spermien vorhanden sein. Davon müssen mehr als 25 Prozent rasch vorwärts beweglich sowie mindestens 30 Prozent normal geformt sein. Daneben dürfen nicht mehr als eine Million Entzündungzellen pro Milliliter und keine Bakterien im Ejakulat zu finden sein. "Eine niedrige Spermienanzahl im Ejakulat ist nicht mit Sterilität gleichzusetzen", betont Primar Riedl. "Es kann dann allerdings länger dauern, bis eine Eizelle erfolgreich befruchtet wird."

Hormonstatus

Zum Ausschluss endokriner Störungen dient ein Hormonstatus. Dabei untersucht man nicht nur den Testoste-ronspiegel im Blut, sondern auch andere wichtige Sexualhormonwerte. Immer häufiger wird auch eine genetische Abklärung des infertilen Mannes vorgenommen. Schätzungen gehen davon aus, dass zirka zwei bis fünf Prozent der Männer mit Fruchtbarkeitsstörungen Chromosomendefekte aufweisen.

Befunde zur Fruchbarkeit

Mit der Gesamtheit der Befunde können Urologen die Fruchtbarkeit eines Mannes sehr genau einschätzen. Erweisen sich alle Parameter als WHO-konform, liegt die Vermutung nahe, dass die Ursache der bisherigen Kinderlosigkeit bei der Frau zu suchen ist. Riedl: "Erst dann sollte die Partnerin weitere gynäkologische Untersuchungen und gegebenenfalls reproduktionsmedizinische Maßnahmen in Erwägung ziehen."

Spermien Selbsttest

Von Spermien-Selbsttests aus der Apotheke raten Experten übrigens ab, weil sie für Laien irreführend sein können und wenig über die tatsächliche Qualität des Ejakulats aussagen. (anfa/MEDSTANDARD/14.07.2006)

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    Unerfüllter Kinderwunsch: Traditionell wird das Problem bei der Frau vermutet, oft liegt es aber am Mann.

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