Anzeige gegen ORF-Betriebsratschef

30. Juli 2006, 19:45
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Fiedler dementiert: "Nie in unsachlicher Weise auf Beschäftigungs- verhältnisse Einfluss genommen"

Gegen den bürgerlichen Betriebsratschef des ORF, Heinz Fiedler, liegt eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, berichtet profil. Der Vorwurf: Fiedler habe seine Machtposition genützt, um die Minderheitenredaktion des ORF mit ihm nahe stehenden Personen zu besetzen. Fiedler wies die Vorwürfe noch am Sonntag zurück.

Eine ORF-Mitarbeiterin, mit der sich Fiedler eine Zeit lang bei gesellschaftlichen Anlässen gezeigt hatte, habe sechs Jahre lang - von 1996 bis 2002 - vom ORF Honorare bezogen, ohne in dieser Zeit jemals in der Minderheitenredaktion gesehen worden zu sein, schreibt profil. Honorarzettel seien der Anzeige beigelegt.

Keine Beiträge der Mitarbeiterin verzeichnet

Der damalige Sendungsleiter Helmut Kletzander, mittlerweile Pensionist, spreche von redaktioneller Zuarbeit der "zeitweiligen Fiedler-Begleiterin", schreibt das Magazin. In der Redaktion habe allerdings niemand etwas davon bemerkt. Im ORF-Archiv seien seit 1996 keine Beiträge dieser Mitarbeiterin verzeichnet. Kletzander sagt, es sei eine regelmäßige Pauschale vereinbart worden - "in einem Gespräch mit Fiedler".

Kletzander wurde Ende 2002 - der Standard berichtete - von Monika Wittmann abgelöst, einer Betriebsrätin auf Fiedlers Liste. Nach heftigen Spannungen mit den Mitarbeitern gab sie den Job dieses Frühjahr auf, als die Minderheitenredaktion aus der ORF-Generaldirektion zur TV-Information übersiedelte.

Fiedler: "Fortgesetzte Denunzierungskampagne"

Fiedler dementierte die Vorwürfe als "fortgesetzte Denunzierungskampagne gegen meine Person und in weiterer Folge des eigenständigen ORF in seiner derzeitigen Rechtsform". Motto: Wer Fiedler angreift, greift die Anstalt an.

Der Betriebsrat weist "die Behauptung, meine Funktion als Personalvertreter missbraucht zu haben, mit Entschiedenheit zurück". Er fordert den oder die Autoren der Anzeige auf, "ihre Fakten auf den Tisch zu legen, damit ich sie widerlegen kann". Fiedler: "Ich habe nie in unsachlicher Weise auf Beschäftigungsverhältnisse Einfluss genommen und sehe in der Anzeige daher einen untauglichen Versuch, der sich selbst richten wird."

Vorwürfe der Untersuchungskommission

Unkommentiert ließ Fiedler hingegen eine Zeugenaussage aus der internen Untersuchungskommission über Missstände in der TV-Information: Er sei Drahtzieher, dass der schon bestellte China-Korrespondent des ORF von dem Job wieder weggemobbt wurde. Fiedler hat das bisher dementiert.

Die Kommission untersucht vor allem Vorwürfe gegen TV-Chefredakteur Werner Mück. Ende dieser Woche legt sie den Bericht vor. Mück ist Wunschkandidat der ÖVP für die Infodirektion. BZÖ-Mediensprecher Uwe Scheuch sagte zur bevorstehenden ORF-Wahl, Generalin Monika Lindner und Mück seien "nicht in Stein gemeißelt", der ORF habe "Erneuerungsbedarf". Das BZÖ hat fünf von 35 Stimmen bei der Wahl. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.7.2006, Harald Fidler)

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