Studie: USA duldeten Misshandlung von Gefangenen

25. Juli 2006, 07:14
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Human Rights Watch: Vorgesetzte fordern Soldaten zu "hartem Anpacken" auf

New York - Auch nach dem Folterskandal von Abu Ghraib sind nach Angaben von Menschenrechtlern im Irak Gefangene in US-Haft misshandelt worden. Mit Wissen der Armeeführung seien Iraker zwischen 2003 und 2005 schwer geschlagen, am Schlaf gehindert oder extremen Temperaturen ausgesetzt worden, heißt es in einem Bericht der Organisation Human Rights Watch, der am Sonntag vorgestellt wurde. Die Verantwortlichen der Armee hätten die Folter nicht nur toleriert, sondern dazu ermuntert. "Den Soldaten wurde gesagt, dass die Genfer Konventionen keine Gültigkeit hätten und bei der Befragung die Anwendung von Gewalt zulässig sei, um Gefangene zum Sprechen zu bringen", sagte der Autor der Studie, John Sifton. Für die Studie wurden Angehörige der US-Armee befragt.

Ein US-Soldat sagte dem Bericht zufolge, der Leiter seiner Einheit im Gefängnis Camp Nama am Flughafen von Bagdad habe geradezu zur Misshandlung von Gefangenen aufgefordert: "Die wollten, dass jeder hart angepackt wird", sagte der Befragte, der nicht namentlich zitiert wurde. Der 53-seitige Bericht führt etliche Beispiele an, in denen Soldaten ihren Vorgesetzten von Misshandlungen berichteten, ohne dass dies Konsequenzen hatte. Ein Mitglied der Militärpolizei sagte, er habe an seinem Einsatzort in einem Gefängnis nahe El Kaim an der syrischen Grenze einem Vorgesetzten von Folterungen berichtet. Er sei dann aufgefordert worden, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Informationen über Misshandlungen seien auch bis nach Washington weitergereicht worden, heißt es in dem Bericht.

Weit verbreitet und geduldet

Die Untersuchung widerlege die Behauptung der US-Regierung, dass Folter und Misshandlung im Irak verboten war und nur in Einzelfällen vorgekommen sei, sagte Sifton weiter. Die Misshandlungen seien im Gegenteil weit verbreitet und geduldet gewesen. Zudem sei nun klar, dass Angehörige der Armeeführung für die Folter verantwortlich seien. Bisher wurde kein ranghoher Armeeoffizier wegen der Foltervorwürfe belangt.

Der Skandal von Abu Ghraib rückte im April 2004 ins internationale Blickfeld, als US-Medien Fotos veröffentlichten, die amerikanische Soldaten bei der Misshandlung irakischer Gefangener zeigten. In der arabischen Welt wie auch im Westen lösten die Bilder einen Sturm der Entrüstung aus. US-Präsident George W. Bush bezeichnete Abu Ghraib später als "schlimmsten Fehler" der US-Armee im Irak. Derzeit sitzen nach offiziellen Angaben 14.000 Gefangene in US-Gefängnissen im Irak. (APA)

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