Pressestimmen: Iran steckt hinter Krise

24. Juli 2006, 12:21
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"La Repubblica": Fragwürdiges Treffen in Rom

London/Rom - Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten sind auch am Sonntag Gegenstand internationaler Pressekommentare.

Die britische Sonntagszeitung "Sunday Telegraph" schreibt zum Hintergrund des Konflikts:

"Im Iran lebt eine vielköpfige Schlange, und einer ihrer Köpfe ist die Hisbollah. Die radikal-islamische Miliz ist der libanesische Zweig der Islamischen Revolution. Es ist verständlich, dass Israel die Infrastruktur seines Feindes zerstören will. Doch selbst wenn es gelingt, die Hisbollah zu besiegen, wird das nur ein Triumph von kurzer Dauer, solange die Mullahs in Teheran weiter die Fäden in der Hand haben. (...)

Die internationale Staatengemeinschaft, allen voran die EU, hat die Mullahs zu lange mit Samthandschuhen angefasst. Man wollte sie dazu überreden, ihre nuklearen Ambitionen aufzugeben, doch diese Politik ist gescheitert. Es ist an der Zeit, Druck auszuüben. Wenn wir Teheran ignorieren, bedeutet das am Ende mehr Organisationen wie die Hisbollah, mehr Terrorismus, und mehr Krieg."

"La Repubblica" (Rom):

"(...) Leider werden am Verhandlungstisch in Rom weder die Syrer noch die Iraner sitzen. Diese Abwesenheit, vor allem die ausgebliebene Einladung an diese, ist eine nicht gerade unbedeutende Frage. (...) Nicht, dass wir damit bereits sagen wollten, dass das Treffen von Rom zum Scheitern verurteilt wäre. Es wäre eine Katastrophe, wenn dies geschehen würde.

Und wir behaupten nicht einmal, dass der Friedensplan, der schon jetzt mitunter als "Plan Condo" bezeichnet wird, nicht ausgeglichen und beeindruckend sein dürfte. Wir sagen lediglich, dass am Verhandlungstisch die islamistische Seite vollständig fehlen wird, also gerade diejenigen, die die Feindseligkeiten gegen Israel begonnen haben."

"La Stampa" (Turin):

"Die Art und Weise, in der der Krieg gegen den Terrorismus seit 2001 geführt wurde, endet damit, dass der schlimmste aller Albträume wahr wurde: Der Staat Israel, der ein Fragment europäischer Geschichte ist, das in die arabisch-islamische Region verpflanzt wurde, ist tatsächlich in Lebensgefahr, in der Region isoliert und abhängig von einer Großmacht, den Vereinigten Staaten, die es sich wiederum nicht erlauben können, ihren Verbündeten zu verlassen, die aber auf der anderen Seite auch nicht über eine Politik verfügen, seine Existenz vollständig zu garantieren.

Die USA laufen Gefahr, Israel wie eine Marionette zu gebrauchen: Indem sie Israel in einen Krieg mit der Hisbollah hineintreiben, der in kleinerem Maßstab die sehr viel größere Konfrontation USA-Iran reproduziert. Der Status quo in der Nahost-Region ist in diesen Jahren seit 2001 zerbrochen (...)." (APA/dpa)

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