Mehr als 60 Tote bei Attentaten

25. Juli 2006, 07:14
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Autobombenanschläge in Bagdad und Kirkuk - Miserable Sicherheitsbilanz seit Al-Malikis Regierungsantritt

Bagdad - Bei einer Serie schwerer Autobombenanschläge sind am Wochenende im Irak mehr als 60 Menschen getötet worden. Beim Aufbruch zu seinem ersten offiziellen US-Besuch stand der irakische Ministerpräsident Nuri Al-Maliki damit vor den Trümmern seines zwei Monate alten Sicherheitskonzepts, das nach amerikanischen Hoffnungen eine Reduzierung der US-Truppen im Irak ermöglichen sollte. Die USA bereiten inzwischen nach eigenen Angaben eine Verstärkung ihrer Präsenz im Großraum Bagdad vor. Die vielen Gewaltakte im Irak haben Ängste vor einem Bürgerkrieg geschürt.

Am Sonntag fuhr ein Selbstmordattentäter mit einem Kleinbus in einen belebten Markt im schiitischen Viertel Sadr-City und zündete einen Sprengsatz. Mindestens 34 Menschen wurden getötet und 73 verletzt, wie die irakischen Streitkräfte mitteilten. Die Bombenexplosion nahe einer Polizeistation und einem Marktplatz beschädigte zahlreiche Fahrzeuge und Stände. Überall am Tatort waren Blutlachen. Augenzeugen berichteten von einem Selbstmordattentäter, der einen Kleinbus gefahren habe. Zuvor hatte es in Sadr-City eine Razzia irakischer Sicherheitskräfte gegeben, bei der zwei Geiseln befreit wurden. Die Gegend gilt als Hochburg schiitischer Kämpfer.

Heftige Zusammenstöße

In der Nacht auf Sonntag war es in dem Bagdader Stadtteil zu heftigen Zusammenstößen zwischen der Mehdi-Armee des radikalen Schiiten-Anführers Moktada al-Sadr und US-geführten Truppen gekommen, wie Polizei und Augenzeugen berichteten. Das US-Militär teilte mit, irakische Soldaten hätten ein Gebäude im Osten der Stadt gestürmt. Dort hätten sie zwei Männer vermutet, die sich an "Todesschwadronen" beteiligt haben sollen. Der Begriff wird für gewöhnlich für schiitische Milizen verwendet, die Anhänger der sunnitischen Minderheit verfolgen, foltern und töten. Bei dem Einsatz seien zwei irakische Geiseln befreit worden. Acht Verdächtige seien zudem festgenommen worden, teilte das US-Militär mit.

Bei einem weiteren Autobombenanschlag in der nordirakischen Stadt Kirkuk wurden am Sonntag 20 Menschen getötet und 150 verletzt, wie ein Polizeisprecher in dem Zentrum der nordirakischen Ölproduktion mitteilte. Es war bereits der vierte Autobombenanschlag in Kirkuk in diesem Monat. Die Explosion ereignete sich vor einem Gerichtsgebäude, teilte die Polizei mit. Die Sprengladung sei ferngezündet worden. Wegen des Ausmaßes des Anschlags wurde damit gerechnet, dass die Opferzahl noch weiter steigt.

Bedrohung für Stabilität

Irakische und US-Vertreter schätzen die Gewalt zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Irak mittlerweile als eine wesentlich größere Bedrohung für die Stabilität des Landes ein als den Aufstand gegen die ausländischen Soldaten. Bereits am Samstag wurden bei Anschlägen mehr als ein Dutzend Menschen getötet, darunter zwei US-Soldaten. Bei einem Gefecht mit Kämpfern der schiitischen Mahdi-Armee wurden nach irakischen Militärangaben in der südirakischen Stadt Mussajjib 15 Extremisten und ein Soldat getötet. Im Westen der irakischen Hauptstadt wurden sieben schiitische Arbeiter aus einem fahrenden Auto heraus erschossen. Der Osten Bagdads wurde innerhalb von 20 Minuten von zwei schweren Explosionen erschüttert.

Die USA bereiteten unterdessen die Verstärkung ihrer Truppen im Großraum Bagdad vor. Sie reagieren damit auf die erheblich gestiegene Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten. Am 20. Mai war die Regierung der nationalen Einheit Al-Malikis mit dem Ziel angetreten, die Gefahr eines Bürgerkriegs abzuwenden und die Gewalt einzudämmen. Sie nahm stattdessen über Wochen erheblich zu mit immer mehr Toten in der Zivilbevölkerung.

Maliki im Weißen Haus

Al-Maliki wird am Dienstag im Weißen Haus von US-Präsident George W. Bush empfangen. Neben der Lage im Irak sorgt auch der Libanon-Konflikt für Zündstoff: Al-Maliki kündigte an, er werde die USA auffordern, sich für einen Waffenstillstand zwischen der schiitischen Hisbollah-Miliz und Israel einzusetzen. Die USA lehnen das bisher ab. Al-Maliki brach am Sonntag zu Besuchen in London und Washington auf.

Die irakische Versöhnungskommission stritt bei ihrer ersten Sitzung am Samstag über eine mögliche Amnestie für Aufständische. Al-Maliki, ein Schiit, erklärte, wer "Blut an seinen Händen" habe, müsse vor Gericht gebracht werden. Der sunnitische Parlamentspräsident Mahmud al Mashhadani sagte daraufhin, wenn jemand bestraft werde, der einen US-Soldaten getötet habe, "sollten wir auch den amerikanischen Soldaten bestrafen, der einen Iraker getötet hat, der gegen die Besatzung gekämpft hat". Al-Maliki hatte nach seinem Amtsantritt im Mai einen 24 Punkte umfassenden Plan zur nationalen Versöhnung veröffentlicht. (APA/AP/dpa/Reuters)

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    Die zahlreichen Verletzten durch den Anschlag wurden in die lokalen Krankenhäuser gebracht.

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