Tradition kämpft gegen zwei Ruten

23. Juli 2007, 11:44
posten

Die Generali Open finden diesmal ganz sicher statt, die Zukunft des Tennis in Kitzbühel bleibt offen

Kitzbühel/Wien - Ist einer schlimm oder unbelehrbar, wird ihm irgendwann die Rute ins Fenster gestellt. Kitzbühel war immer schon ein bisserl exklusiver, folglich bringt es dieser Ort gleich auf zwei Ruten. Fix ist trotzdem, dass am Montag das traditionelle Tennisturnier beginnt. Es ist bereits die 61. Auflage, zum 13. Mal heißt sie Generali Open. Es könnte aber keine 62. beziehungsweise 14. mehr geben. Sandra Reichel, seit dem Vorjahr Turnierdirektorin, lehnt es ab, den Teufel samt seinen Ruten an irgendeine Wand zu malen: "Ich gehe davon aus, dass es Kitzbühel noch weitere 60 Jahre gibt. So etwas lässt man nicht sterben."

Der Haupt- und Namenssponsor zahlt ordentlich ein (angeblich deckt er gut die Hälfte des Budgets von 3,8 Millionen Euro ab), diesmal stellt er sich aber ganz konkret die Sinnfrage, also bringt er auch eine fette Rute mit. Der Vertrag lauft aus, Vorstand Franz Meingast möchte "den Erfolg des Turniers"abwarten. "Dann sprechen wir darüber."Der Sponsor wird, sollte er überhaupt bleiben, den Beitrag aber eher reduzieren und das deutlich. Zudem müsste die Stadt das baufällige Stadion endlich sanieren.

Peter Michael Reichel, Sandras Vater und Lizenzinhaber des Linzer Damenturniers, ist seit 2005 als Berater des Kitzbüheler Tennisklubs tätig. Er persönlich trägt kein finanzielles Risiko. Das ist eine Gemeinsamkeit, die er mit Ion Tiriac hat. Der Rumäne, das ist das Trennende, lacht sich aber doch ins Fäustchen.

Im Jahr 1998 hat der Klub seine Anteile an der Lizenz seinem Partner Tiriac übertragen. "Ein großer Fehler", sagt Reichel. Seither sind die Kitzbühler im eigenen Haus Untermieter, sie blechen Jahr für Jahr 300.000 Euro. Tiriac ist an keinen Ort gebunden, er kann jederzeit nach Asien oder sonst wohin gehen. Reichel: "Das ist die zweite Rute."

Als ziemlicher Wahnwitz stellte sich auch die Erhöhung der Dotation auf 646.250 Euro heraus. "Man kriegt trotzdem keine anderen Spieler, eine Reduktion auf 400.000 würde sich auf die Besetzung sicher nicht auswirken."Rafael Nadal und Roger Federer sind so oder so nicht zu haben, was nicht nur am Geld, sondern auch am Termin und der Beschaffenheit des Belages liegt. Die meisten Spieler werken eher drüben in den Staaten auf Hartplätzen, um sich auf die US Open in New York vorzubereiten. Das Wühlen im Sand zwischen den unbestritten urigen Tiroler Bergen passt da nicht unbedingt in die Lebensplanungen. Wobei Sandra Reichel darauf Wert legt, "dass wir trotzdem immer ein starkes und ausgeglichenes Feld zusammenbringen. Das Star-Prinzip bringt ohnedies wenig."Diesmal kommen zum Beispiel Nicolaj Dawidenko, Tommy Robredo und Titelverteidiger Gaston Gaudio, die österreichische Elite (Jürgen Melzer, Oliver Marach, Stefan Koubek) macht selbstverständlich auch mit.

Erscheinen wird auch Herr Larry Scott aus den USA, er ist der Chef der Damen-Organisation WTA, dem Gegenstück zur ATP. Den Reichels schwebt bereits 2007 eine gemeinsame Veranstaltung im August vor, Männer und Frauen sporteln natürlich getrennt. 2009 soll das Welttennis völlig umstrukturiert werden, weit weniger Turniere sind geplant, damit die Inflation gestoppt wird. Die Superstars, so die Idee, werden vertraglich verpflichtet, bestimmte Ereignisse beehren zu müssen.

Ausgelassen

Ob es Kitzbühel dann noch gibt (natürlich tennismäßig), wird sich weisen. "Es muss ja nicht unbedingt die Lizenz von Tiriac sein", sagt die Turnierdirektorin kryptisch. Als Motto hat sie für 2006 "jung, ausgelassen, exklusiv"ausgegeben. "Man soll als Gast kommen und als Freund gehen."Vater Reichel: "Wir müssen alles dran setzen, um die zwei Ruten wegzukriegen." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 22./23.7. 2006)

Share if you care.