Kusej sagt Theater an der Wien ab

20. Juli 2007, 16:43
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Schauspielchef der Salzburger Festspiele grollt und zieht sich zurück: "Mir hat einfach der Vorgang gestunken"

Wien - Martin Kusej wird, anders als geplant, im November 2007 doch nicht im Theater an der Wien Monteverdis Oper "Il Ritorno d'Ulisse in Patria" unter Nikolaus Harnoncourt inszenieren. "Ich habe diesen Vertrag zurückgelegt", sagte der Schauspielchef der Salzburger Festspiele im Rahmen der Sendung "Im Journal zu Gast" im Ö1 "Mittagsjournal" am Samstag, in der er generell seine jüngst geäußerten Rückzugstendenz aus Österreich bekräftigte.

Diese habe einerseits persönliche Gründe, so Kusej, aber andererseits auch mit der Kulturpolitik zu tun, in der er keine Perspektive sehe als jemand, der gerne eine Vision entwickeln würde und der sich überlege, wie Theater, Festwochen, Festspiele in den nächsten zehn oder 20 Jahren überhaupt funktionieren sollen.

"Total lähmend"

Das Klima in Österreich vor der Nationalratswahl bezeichnete der Regisseur als "total lähmend". "Alle wissen, dass sich nichts verändern wird, dass keine frische Kraft an die Macht kommen kann." Die Kulturpolitik betreffend meinte er, angesichts der Wichtigkeit von Kultur und der Tatsache, dass Österreich sich hauptsächlich über seine Kultur definiere, wäre eine Ministerstelle angebracht.

Auf seinen jüngst geäußerten Ärger über die Bestellung der neuen Burgtheaterdirektion angesprochen, für die er als einer der Favoriten gehandelt worden war, stellte Kusej klar, dass er sich weder dafür noch für die Intendanz der Wiener Festwochen beworben oder öffentlich die Bereitschaft geäußert habe, als Kandidat dafür in Frage zu kommen. Hartmann sei der einzige Kandidat für die Burgtheaterdirektion gewesen. "Das heißt es gab überhaupt keinen Vergleich."

Was ihn dabei geärgert habe, sei, dass mit seinem Namen manipulativ umgegangen worden sei, so Kusej. "Ich habe sehr lange und sehr seriös versucht mich zurückzuhalten, weil ich dachte dass man auf einer seriösen Ebene, auf einer Gesprächsbasis auf höchster Ebene zu eine Art von Kommunikation kommt." Das Burgtheater sei nicht der absolute Traumjob. "Ich hätte durchaus meine Ideen dazu gehabt. Aber darüber hätte man sich einfach unterhalten sollen. Das alles hat nicht stattgefunden. Ich will auf keinen Fall, dass das jetzt aussieht wie verletzte Eitelkeit. Mir hat einfach der Vorgang gestunken." (APA)

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