Äthiopische Truppen rücken ins Landesinnere vor

25. Juli 2006, 12:52
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Drohungen gegen Islamisten in Mogadischu - Islamisten lehnen weitere Verhandlungen mit der Übergangsregierung ab

Addis Abeba/Mogadischu - Die Spannungen zwischen den neuen Machthabern Somalias und dem Nachbarland Äthiopien haben sich am Wochenende weiter verschärft. Äthiopien richtete unverhohlene Drohungen an die Adresse der Islamisten in Mogadischu. Diese dürften eine "bestimmte Grenzlinie nicht überschreiten, sonst werden wir sie zerquetschen", sagte ein hochrangiger äthiopischer Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP.

Äthiopische Truppen rückten nach Augenzeugenberichten unterdessen in Wajid zwischen der somalisch-äthiopischen Grenze und Baidoa ein, wo sich die somalische Übergangsregierung aufhält.

Mit der Drohung, die Islamisten zu "zerquetschen", reagiert Addis Abeba auf die Ankündigung des Vorsitzenden der Union der Islamischen Gerichte Somalias, Hassan Dahir Aweys, vom Vortag, die Äthiopier in einem "Heiligen Krieg" aus dem Land zu treiben. In den vergangenen Tagen häuften sich Berichte über ein Vordringen äthiopischer Einheiten nach Baidoa und in andere Gebiete Somalias, was jedoch von Addis Abeba und der somalischen Übergangsregierung dementiert wurde.

Am Samstag haben somalische Islamisten Regierungsmilizen ein Gefecht geliefert geliefert und damit Sorgen über einen offenen Krieg am Horn von Afrika geschürt. In der abgelegenen Region Qoryooley hätten Regierungskräfte zwei Fahrzeuge in Brand gesetzt, verlautete aus Islamistenkreisen. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

Schutz für Regierung

Es waren die ersten Gefechte zwischen beiden Seiten, seit islamistische Kämpfer am 5. Juni Mogadischu unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Die prowestliche Regierung von Präsident Abdullahi Jusuf hat sich nach Baidoa zurückgezogen. Dort wird sie von äthiopischen Truppen unterstützt, die in den vergangenen Tagen in die Stadt verlegt wurden.

Viele Somalier befürchten, dass die Kämpfe ein Signal für das Abgleiten in einen Krieg sein könnten. Die in Mogadischu herrschenden Islamisten lehnten am Samstag weitere Verhandlungen mit der Übergangsregierung ab. Sie begründeten dies mit dem Einmarsch äthiopischer Truppen.

Zu der für Samstag geplanten Gesprächsrunde in der sudanesischen Hauptstadt Khartum sei kein Vertreter entsandt worden, teilte das somalische Informationsministerium mit. Bedingung für weitere Treffen seien internationale Garantien, dass die Miliz der Union der Islamischen Gerichte das Verhandlungsergebnis respektiere.

"Wir verhandeln nicht mit einer Regierung, die sich von den Feinden Somalias helfen lässt", erklärte dagegen Islamistenführer Sharif Ahmed in einem Schreiben an seine Verhandlungsdelegation in Khartum. (DER STANDARD, Printausgabe, 24. juli 2006)

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    Bild: Islamistische Milizen in Mogadishu.

    Der Staat Somalia existiert seit dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 faktisch nicht mehr. Das Land wurde seitdem von kriegerischen Clanchefs beherrscht. Im Norden schufen sie die Republik Somaliland. Die anderen Regionen Somalias waren ständig zwischen den Kriegsfürsten umkämpft. Ende der 90er Jahre bildeten sich islamische Gerichte, die mit eigenen Milizen das islamische Recht durchsetzen wollen. Sie eroberten inzwischen große Teile des Landes, darunter auch Mogadischu.

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