Einmal Gratis-Schnuppern beim Billa

21. Juli 2006, 21:47
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Handelskette kontert Kritik an AMS-Aktion – Aber keine Zusage für Dauerjobs

Wien – Nach der Aufregung über die AMS-Aktion, bei der Wiedereinsteigerinnen im August auf Kosten des Arbeitsmarktservice bei Billa, Spar oder Merkur beschäftigt werden, kontert Billa nun den Kritikern. Die Initiative sei vom AMS ausgegangen und es handle sich nicht um Gratis-Urlaubsvertretungen für die Handelskette, wie der Grünen-Sozialsprecher Karl Öllinger argumentiert hatte. Dessen Vermutung erhärten aber immerhin Inserate von Interspar, wo dezidiert 36 Wiedereinsteigerinnen als Urlaubsvertretungen im August für den Verkauf aufgenommen werden – bezahlt vom AMS.

Bei Billa würden die Wiedereinsteigerinnen nur zusätzlich zum bestehenden Personal in den Filialen arbeiten, sagt Billa. Es handle sich für die Frauen daher um so etwas wie eine "Schnuppermöglichkeit", so Billa-Sprecherin Corinna Tinkler zum STANDARD. "Wir nehmen nur zusätzliche Frauen auf, es entstehen uns dabei keine Kosten, ja, aber wir ersparen uns auch nichts", sagte Tinkler. Und: "Für beide Seiten ist das eine sehr ungezwungene Möglichkeit, sich kennen zu lernen." Das ergebe Vorteile bei späteren Personalaufnahmen.

Eine fixe Zusage, dass nach Ablauf des Schnuppermonats 20 bis 25 Prozent der Wiedereinsteigerinnen fix von Billa übernommen würden, gebe es allerdings nicht, sagte Tinkler. "Wir können natürlich nichts garantieren. Wir wissen ja nicht einmal, welche Leute uns das AMS schickt."

Weniger Förderungen in Niederösterreich

Zur Rechtfertigung der unüblich hohen Lohnsubvention von 100 Prozent – normalerweise gibt es Lohnstützen von maximal 66 Prozent – hatte das AMS auf diese "fixe" Zusage der Ketten verwiesen, bis zu 25 Prozent der Frauen nach dem Probemonat (AMS-Diktion, Anm.) weiter zu beschäftigen. AMS-Vorstand Johannes Kopf hat die Fix-Übernahmen zur Bedingung gemacht, dass die Aktion weiterläuft.

Das AMS-Niederösterreich fördert die Schnupper-Arbeitsplätze übrigens nur mit besagten 66 Prozent. AMS-NÖ-Chef Werner Homrighausen sagte dazu: "Wir haben nicht so viel Geld wie die Wiener. Aber wenn es gut läuft, werden wird das ausweiten." (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.7.2006)

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