Unfallserie mit Gasthermen in Wien

23. Juli 2006, 18:40
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Feuerwehr musste dreimal ausrücken - Schuld können defekte Geräte, aber auch die Witterung sein

Die Wiener Feuerwehr musste am Freitag gleich drei Mal wegen CO-Unfällen mit Durchlauferhitzern und Gasthermen ausrücken, mehrere Menschen erlitten Vergiftungen. Noch war unklar, ob die Geräte defekt waren. Schuld an dem gehäuften Auftreten solcher Vorfälle könne auch die Hitze sein, sagte ein Experte der Feuerwehr.

"Die betroffenen Geräte müssen erst überprüft werden. Es könnten jeweils auch Mängel am Gerät schuld sein", sagte der Feuerwehrmann.

Aber auch die anhaltende Hitze könne Gasthermen zusetzen. "Durch einen Mix mehrerer Umstände kann es dazu kommen, dass kein ordentlichen Abzug im Rauchfang gewährleistet ist. Die Luft erwärmt sich darin so stark, dass sie wärmer ist als die Abgase, die dann bei Benützung des Geräts entstehen. Dann fehlt der Auftrieb", so der Fachmann.

Gut warten

Werden Geräte gut gewartet, "dürfte so etwas nicht passieren", meinte der Experte. "Tatsächlich kann aber die Kombination aus schlechter Wartung, besonderer Witterung und längerem Nicht-Betrieb zu solchen Vorfällen führen."

Aus einer Wohnung in der Thurngasse am Alsergrund wurde ein junges Paar von der Rettung mit CO-Vergiftungen ins Spital gebracht. Auslöser war ein Durchlauferhitzer. Die Frau war nach Hause gekommen, hatte ihren Mann benommen vorgefunden und Alarm geschlagen. Einen weiteren CO-Unfall mit einem Verletzten gab es in der Unteren Augartenstraße in der Leopoldstadt. Dort war eine Gas-Kombitherme in Betrieb genommen worden.

In der Siebenbrunnenfeldgasse in Margareten erlitt vermutlich wegen eines Lecks bei der Gastherme eine dreiköpfige Familie schwere Vergiftungen. Die Frau war beim Duschen zusammengebrochen, Ehemann und sechsjähriger Sohn litten an Kopfschmerzen und Übelkeit. Die Feuerwehr registrierte im Badezimmer einen CO-Wert von 500 ppm. Bereits ab 400 ppm spricht man von extremer Belastung, die zu Bewusstlosigkeit und schweren Schäden führen kann. Die Untersuchung ergab auch, dass kaum Abgase durch den Rauchfang abgeführt wurden.

Kohlenmonoxid

Kohlenmonoxid ist ein farb- und geruchloses, brennbares, schlecht wasserlösliches Gas. Es entsteht hauptsächlich bei der unvollständigen Verbrennung fossiler Brennstoffe. Die Giftigkeit beruht darauf, dass über die Lunge aufgenommenes CO an das Hämoglobin des Blutes angelagert wird und dadurch den Mechanismus des Sauerstofftransports stört. Im schlimmsten Fall ist eine Vergiftung tödlich.

Gefährdet seien nicht nur Kinder, ältere oder kranke Menschen, sondern "jeder. Denn CO ist ein Atemgift, das man nicht erkennt, weil man es nicht riechen kann. Außerdem werden erste Symptome einer CO-Vergiftung wie Schwindel gerade bei Hitze oft nicht gleich ernst genommen", lautete die Auskunft der Feuerwehr.

Im Fall von CO-Unfällen brechen die Einsatzkräfte benachbarte Wohnungen, bei denen niemand öffnet, auf. "Wir müssen nachschauen, ob dort nicht womöglich jemand schon bewusstlos drinnen liegt. Denn CO kann sich leicht weiterverbreiten." Deswegen werden auch in Nachbarwohnungen Messungen durchgeführt. (APA)

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