Die Mischung macht's

25. Juli 2006, 17:00
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Marc Vollenweider von Evalueserve schwört auf die Kombination indischer Analytik und europäischer Persönlichkeit für seine Expansionspläne

"Inder sind aufgrund ihres in der Regel absolvierten Engineering-Studiums knallharte Analytiker, extrem ehrgeizig, lern- und wissbegierig, Europäer wiederum haben in der Regel eine breitere Persönlichkeit - kombiniert man beides, ergibt es eine optimale Mischung", erzählt Marc Vollenweider, Gründer des Research-Unternehmens Evalueserve. Um diesen Mix zu erzielen, sucht der Herr über etwa 1200 Mitarbeiter in Indien, von denen derzeit nur 50 Nichtinder sind, europäische Akademiker. "Es ist egal, ob jemand Psychologie oder was auch immer studiert hat - wir brauchen das gewisse Flackern in den Augen, einen guten Studienabschluss und viel Lernfähigkeit", präzisiert der gebürtige Schweizer sein Anforderungsprofil.

Der Grund, warum europäische Akademiker nach Indien gelockt werden sollen, ist die geplante Unternehmensexpansion. 45 Prozent der Einkünfte des Research-Unternehmens werden zurzeit in Europa, 40 Prozent in den USA erzielt; den Rest erwirtschaftet man in Asien und Lateinamerika. "Um die lokalen Märkte in Kontinentaleuropa weiter aufrollen zu können, brauchen unsere Mitarbeiter zum einen entsprechende Sprachkenntnisse, zum anderen - etwa für den deutschen Mittelstand - auch den lokalen Kontext und das Kulturverständnis", so Vollenweider. Zwar würden indische Mitarbeiter auch dahingehend geschult, der lokale Kontext könnte aber auch im besten Trainingsprogramm nicht vermittelt werden.

Die schwelende Angst, Europa könnte im Wettbewerb mit den aufstrebenden Wirtschaftsriesen China und Indien verlieren, sieht der studierte Elektrotechniker im Großen und Ganzen als unbegründet an: "Das hat man auch während des japanischen Wachstums gedacht, aber nichts ist passiert. Natürlich sind China und Indien Wirtschaftsmächte - das Wachstum wird sich einpendeln und im Inneren werden Kosten sowie Probleme entstehen."

Zu wenige Topleute

Einzig im Low-End-Bereich, bei schlecht ausgebildeten Arbeitskräften, sieht Vollenweider weiter wachsende Probleme; für Topleute hingegen nicht: "In Deutschland haben wir zurzeit die höchste Arbeitslosigkeit, während es gleichzeitig die höchste Zahl an unbesetzten Akademikerstellen gibt. Exzellente Chemielaboranten oder Mikrotechniker sind beispielsweise in der Schweiz oder in Deutschland so gut wie nicht zu finden. Wenn doch, können sie jeden Preis verlangen."

Jungen Leuten rät Vollenweider zum einen zu einer guten Grundausbildung. "Ich bin nicht der Meinung, dass ein Maturazeugnis unwichtig ist - daraus kann man nämlich ersehen, ob jemand über eine gewisse Zeit fähig ist, Leistung zu erbringen", ist der Evalueserve-Chef überzeugt. Exzellente Noten seien auch während des Studiums wichtig - finanziert allerdings jemand sein Studium durch einen Job, ist Vollenweider gewillt, Abstriche bei den Noten zu machen. Am Ende stünde schließlich die Spezialisierung, wie etwa ein MBA, ein Doktoratsstudium oder Ähnliches, die wiederum auf eine gewisse Begeisterungsfähigkeit schließen ließe. Verweigerern eines Studiums rät Vollenweider ebenfalls zur Spezialisierung - und zur Konzentration auf Wachstumsgebiete. Daneben sollte jeder stets an seiner "Employability", deren Parameter der Marktwert sei, arbeiten. (Ursula Rischanek, Der Standard, Printausgabe 22./23.7.2006)

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