Zeigt her eure Füße!

5. Oktober 2006, 11:02
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Was kann man tun kann, um Rötungen und Blasen unsichtbar werden zu lassen und den Schmerz zu lindern - Blasenpflaster im Test

Der Schuh ist – rein historisch betrachtet – ein ziemlich unerforschtes Wesen. Neben seiner Schutzfunktion war er vielfach auch modisches Accessoire und verriet in einigen Kulturen den gesellschaftlichen Status oder die Gruppe der Zugehörigkeit des Trägers. So war es im alten Ägypten beispielsweise nur hohen Beamten und Priestern gestattet, Sandalen zu tragen. Den Pharaonen blieben jene aus Gold- und Silberblech vorbehalten, deren Hautfreundlichkeit bezweifelt werden darf. Das Volk ging barfuß. Im Mittelalter gab die streng reglementierte Länge der Schuhspitze in Form der damals modernen Schnabelschuhe über die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stand Auskunft. Zur Zeit des Sonnenkönigs drehte sich hingegen alles um den roten Absatz: Ausschließlich der König und hohe Adelige durften dieses Zeichen der Macht zu tragen.

Die Zeit der Moderne in Europa hat Schuhträgern nicht immer nur Freude bereitet. Damals gab es die gleiche Form für den linken und den rechten Fuß. Waren die Absätze abgelaufen, tauschte man einfach den linken gegen den rechten Schuh, und alles kam wieder ins Lot. Die Fußbekleidung war manchmal so eng, dass sie zuerst von den Dienstboten eingetragen werden mussten. Und in China ging man anno dazumal sogar so weit, eine möglichst zierliche Form durch Einbinden der Füße zu erreichen. Das Resultat: Die Knochen konnten sich nicht normal entwickeln, verkümmerten, und der erotische Fuß wurde für die Trägerin zur lebenslangen Behinderung.

Insgesamt 26 Knochen und 31 Gelenke sorgen dafür, dass die Füße uns täglich tragen. Diese sollen nicht nur gesund und wohlgeformt, sondern auch möglichst appetitlich eingekleidet sein. Stars und Sternchen hüpfen es ganz hollywoodlike am roten Teppich vor. Im Alltag tut frau sich mit der Nachahmung dieses erotischen Statements schon schwerer. Wer von morgens bis abends den gängigen Idealen nacheifert, kämpft – besonders im Sommer – mit Riemchen, enger Schnittführung und hohen Absätzen. Eingezwängt in diese hübsche Verpackung, rächen sich die Füße immer wieder mit Blasen und Rötungen.

>>>Die Kriterien Die Kriterien

Eine Blase ist ein Riss zwischen zwei Hautschichten, der durch Reibung der Haut mit anderen Flächen – also mit dem Schuh – entsteht. Die Blase füllt sich mit Flüssigkeit, um der wunden Stelle Linderung zu schaffen. Diesem Phänomen bzw. der vorangehenden Rötung wollte das Testteam zu Leibe rücken. Die Testsituation sollte dabei möglichst realitätsnah gestaltet werden. Deshalb wurde das Pflaster nach einem anstrengenden Arbeitstag auf geröteten Stellen oder Bläschen angebracht. Die Pflaster wurden an unterschiedlichen Positionen – je nach persönlicher Schwachstelle auf der großen/kleinen Zehe, unterhalb der großen Zehe, oberhalb der Ferse und unterhalb des Knöchels – aufgeklebt. Danach stand es zwei Tage lang bei sommerlichen Temperaturen unter Beobachtung. Die wichtigsten Kriterien setzten sich aus Beschreibung und Erstanwendung, Aussehen (je weniger sichtbar und je weniger Fältchen, desto mehr Punkte gab es), Schutz vor weiterem Reiben und dem Tragekomfort zusammen.

Eine Bedingung galt für alle Tester: Schuhe und Sandalen durften nur ohne Socken getragen werden. Der Erstcheck folgte nach dem ersten längeren "Ausgang"und dem Duschen, was sich vielfach gleich als Stolperstein erwies. Pro Tag gab es einen Testbericht über Haltbarkeit und Farbveränderung. Jenes Pflaster, das den besten Schutz gegen weiteres Reiben bot, das Unsichtbarste und Haltbarste war, wurde zum Testsieger erkoren – was sich in der Praxis gar nicht so einfach gestaltete, weil Vorlieben und Beurteilungen der Tester sehr unterschiedlich waren. Die auf der Beschreibung besprochene Schmerzlinderung ist bei allen getesteten Produkten eingetreten und wurde daher nicht eigens bewertet.

>>>Die Ergebnisse Die Ergebnisse

Compeed
6 Stück small, 5,99 ¬ (Bipa)

Die handtaschenfreundliche grüne Verpackung erntet gleich große Sympathie bei der Jury. Die Anwendung wird sehr genau beschrieben und gestaltet sich unkompliziert. Compeed klebt gut und macht kaum Falten. Es ist stärker gepolstert und kann mit seiner semitransparenten Optik mit einigen Konkurrenten optisch nicht mithalten – insbesondere bei Sandalen ein Nachteil. Die Polsterung beeinträchtigt bei engen Schuhen den Tragekomfort. Dafür bleibt Compeed in Sachen Haltbarkeit eindeutiger Sieger. Einzig bei einer Testerin überstand das Blasenpflaster keinen halben Tag. Nach dem Ablösen gehören unansehnliche Ränder zur Ausnahme. 7,9 Punkte

Hansaplast Blasenpflaster
5 Stück groß, 6,25 ¬ (dm)

Dieses Blasenpflaster, dessen Anwendung detailliert beschrieben ist, haftet sofort und lässt sich einfach glatt streichen. Der durchscheinende Hautton macht es fast unsichtbar, es behält diesen Farbton über die gesamte Testzeit – rein optisch daher eindeutig der Sieger. Es ist gut gepolstert, was einerseits guten Schutz bei Blasen bietet, andererseits bei engen Schuhen zum Problem werden kann. Die Haltbarkeit wird sehr unterschiedlich beurteilt: Bei einigen Testern klebte das Pflaster schon nach der ersten Nacht auf dem Oberschenkel oder überlebte den ersten Duschgang nicht, bei anderen hielt es problemlos drei Tage. Es hinterlässt keine grauen Ränder. 7,7 Punkte

Transparente Gel Blasen Pflaster (Scholl)
5 Stück groß, 5,95 ¬ (dm)

Auf den ersten Blick hätte dieses Gel-Blasen- Pflaster das Zeug zum Testsieger und gibt sich in hellblauer Hartverpackung ebenfalls sehr handtaschenkompatibel. Ist die kleine Hürde des etwas komplizierten Aufklebens überwunden, freut man sich über die transparente Optik (sofern man keine Fältchen in die dünne Aufklebefolie gemacht hat) und die ideale, gelige Polsterung in der Mitte des Pflasters. Allerdings ist es mit der Haltbarkeit weniger gut bestellt: Es kommt vielfach noch am ersten Tag zu unschönen, mit Farbveränderungen einhergehenden Ablösungstendenzen, oder das Pflaster veranbschiedet sich gleich beim ersten Ausziehen der Schuhe. Kleines Trostpflaster: Dafür bleiben kaum Ränder. 6,4 Punkte

>>>weitere Ergebnisse

Burgit Blasenpflaster
4 Stück groß, 3,27 ¬ (dm)

Die Folie ist schwer abzuziehen, und es kommt fast immer zu kleineren Fältchen beim Auftragen. Bis auf ein Glänzen ist der Blasenschutz zu Beginn fast unsichtbar und kaum spürbar. Nach einiger Zeit beginnt er aber zu spannen, und gleich nach dem ersten Duschen rollt er sich trotz angekündigter Wasserfestigkeit auf und verändert seine Farbe. Schon am ersten Tag bekommt das Pflaster graue Ränder, die Falten mehren sich und erste Ablösungstendenzen machen das Werk zu einer unansehnlichen Sache. Laut Beschreibung sollte sich das Pflaster erst dann von selbst lösen, wenn die Blase abgeheilt ist. Es bleiben hartnäckige Kleberückstände auf dem Fuß. Aber: Eine Testerin gab für Burgit die Bestnoten. 5,5 Punkte

Hansaplast Aktiv Gel-Pflaster
8 Stück groß, 6,75 ¬ (dm)

Ein Außenseiter in dieser Testreihe. Obwohl es sich bei diesem Produkt um kein echtes Blasenpflaster handelt, wurde es aufgrund seiner geligen Konsistenz in die Testauswahl aufgenommen. Das Auftragen ist sehr easy. Es gibt einen verstärkten, dicken Mittelteil in Weiß (!) und rundherum transparente, hauchdünne Klebefolie, die leicht kleine Fältchen wirft. Das Kriterium "unsichtbar"erfüllt dieses Pflaster daher nicht und kann nur unter dem Schuh getragen werden. Die Haltbarkeit ist für alle TesterInnen unbefriedigend, und das Versprechen "wasserfest"hält ebenfalls nicht: Manche verlieren das Pflaster bei der ersten Berührung mit Wasser, alle stimmen der Bewertung "löst sich rundherum auf"zu. Es bleiben dünne graue Ränder. 4,1 Punkte

Herzlichen Dank an Bianca samt Anverwandten, Monika und unserem Quotenmann Christian für den manchmal schmerzhaften Einsatz. (Monika Sperber, Der Standard, Printausgabe 22./23.7.2006)

*) Jeder Artikel spiegelt die ganz persönlichen Erfahrungen der AutorInnen wider.

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    Harte Bandagen sind okay für harte Männer; für zarte Zehen in hochhackigen Riemchen- sandalen eignen sich transparente Blasenpflaster besser.

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