Dresden ist doch lieber ohne Brücke als ohne Kultur

28. Juli 2006, 13:44
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Um den Status "Weltkulturerbe" nicht zu verlieren, hat sich Dresdens Stadtverwaltung dem Druck der Unesco gebeugt und verzichtet auf einen Brückenbau

Dresden - Es ist noch nicht lange her, da hatte Dresden etwas zu feiern. 2004 wurde dem Elbtal von der Unesco der Status als "Weltkulturerbe"zugesprochen. Als dann 2005 auch noch die in mühevoller Arbeit wieder aufgebaute Frauenkirche eingeweiht wurde, war die Freude noch größer. Endlich erstrahlt Dresden wieder in dem alten Glanz, den der Maler Canaletto auf seinen berühmten Ansichten eingefangen hat, sagten viele.

Doch hinter der prächtigen Kulisse tobte damals schon ein heftiger Streit, der nun seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Um die Dresdner Innenstadt vom Verkehr zu entlasten, hatten die CDU, die FDP und der Automobilklub ADAC im Jahr 2004 einen Bürgerentscheid durchgesetzt. In diesem stimmten die Dresdner mehrheitlich dem vom Stadtrat bereits beschlossenen, aber wieder auf Eis gelegten Bau einer achten Elbe-Brücke zu.

Den Namen Waldschlösschenbrücke hätte die ElbeÜberbrückung bekommen sollen, doch diese Romantik täuscht: Die Brücke soll ganze 636 Meter lang werden und ausgerechnet an der Stelle über den Fluss führen, wo dieser am breitesten ist.

Alarmiert von den Dimensionen des geplanten Bauwerks, eilten Vertreter der Unesco nach Sachsen und kamen zur Erkenntnis: Wenn diese Brücke gebaut wird, dann kann das Elbtal nicht mehr Weltkulturerbe sein. Es wurde auf die rote Liste der gefährdeten Welterbestätten gesetzt, binnen eines Jahres drohte die Aberkennung des begehrten Begriffs "Weltkulturerbe".

Geheime Abstimmung

Dennoch wollte die CDU den Bau beginnen und ließ am Donnerstagabend im Stadtrat geheim darüber abstimmen. Der Antrag wurde abgelehnt.

"Das ist eine gute Entscheidung. Den Titel Weltkulturerbe setzt man nicht mit einem irreparablen Brückenbau aufs Spiel", sagt Andreas Friedrich vom "Dresdner Entwicklungsforum"zum Standard. Die Gegner argumentieren vor allem, dass sich die Verkehrsbelastung ohnehin reduziert habe, seit Dresden einen Autobahnanschluss an die A17 nach Prag habe. Die Brückenbefürworter berufen sich auf das Jahr 1859. Schon damals habe es Pläne für einen derartigen "Lückenschluss im Hauptstadtnetz"gegeben.

Bürgermeister Lutz Vogel (parteilos) steht nun ein Canossagang zur Unesco bevor, um Alternativen zu beraten. Im Gespräch ist ein Tunnel. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 22./23.7.2006)

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    So sollte die Waldschlösschenbrücke aussehen, die Unesco sprach sich dagegen aus.

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