Lauter "Narrische" wegen Hitze

23. Juli 2006, 18:55
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Hohe Temperaturen lassen hitzige Gemüter ausrasten - Gewaltbereitschaft nimmt in den Großstädten zu

Wien - Bei hochsommerlichen Temperaturen nimmt in Großstädten die Gewaltbereitschaft zu. Diese Entwicklung macht auch vor Wien keinen Halt. Die Staatsanwaltschaft verzeichnet dieser Tage überdurchschnittlich viele Anzeigen. Auch das Kriseninterventionszentrum betreut im Sommer außergewöhnlich viele Klienten, wie dessen Leiter, Claudius Stein erklärte. Die Belastung, die viele Leute durch die momentane Hitzewelle empfinden, führt bei grundsätzlich gewaltbereiten Menschen zu "Aggressionsschüben und Eskalationen".

Bei der Staatsanwaltschaft gibt es zwar keine offiziellen Statistiken, aber Gerhard Jarosch, Sprecher der Anklagebehörde erzählt von Kollegen, die "an heißen Tagen mehr zu tun"haben. "Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad werden die Leut narrisch wie sonst nur in Vollmondnächten, meint ein alteingesessener Staatsanwalt mit langjähriger Erfahrung. Oberst Christian Stella von der Wiener Polizei merkt jedoch an, dass viele Einwohner Wiens im Sommer verreist sind und somit einige "Stammkunden"zum Glück gar nicht da wären.

"Rollende Backöfen"

Ein Hitzeschock lauert laut einer aktuellen Studie des ÖAMTC auch in "rollenden Backöfen" wie Autos, Motorrädern und öffentlichen Verkehrsmitteln: Die Temperatur am Armaturenbrett erreiche nach dem "Brüten"in der Mittagshitze sagenhafte 80,7 Grad. "Bei solchen Temperaturen besteht bereits Verbrennungsgefahr", meint ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.

Auch Rad- und Motorradfahrer haben kein leichtes Los. Sie sind zwar ständig von Zugluft umgeben, der Ledersessel einer Suzuki erreicht im Test jedoch 50,5 Grad. Ebenso wenig Abkühlung bieten die U-Bahnen. An den Bahnsteigen herrschen bis zu 30,9 Grad, in den Zügen ist es noch erheblich wärmer, vor allem wenn man einen Sitzplatz in Anspruch nimmt, die bis zu 31,6 erreichen können.

Hitzepol Villach

Die Hitzewelle hat ganz Österreich fest im Griff. Ob der heurige Sommer jenen aus dem Jahr 2003 an heißen Tagen noch überbieten kann, ist derzeit noch nicht klar, er gibt sich jedoch alle Mühe. Heuer gab es österreichweit bereits 11,1 Tage über 30 Grad.Der Hitzepol am Donnerstag, dem bisher heißesten Tag des Jahres, war laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) eindeutig Villach in Kärnten mit 36,4 Grad. Und während Graz heuer bereits 16 Tage über 30 Grad messen konnte, waren es im durchschnittlichen Gesamtjahresvergleich von 1971 bis 2000 nur 6,8 Tage.

Wer jetzt schon auf Abkühlung hofft, muss vorerst noch enttäuscht werden: In den kommenden Tagen werden sich die Temperaturen kaum ändern, die Höchstwerte des Wochenendes liegen bei 26 bis 31 Grad. So stabil wie in den letzten Tagen wird das Wetter laut einem Experten der ZAMG jedoch nicht mehr sein, vor allem im Bergland treten vermehrt Quellwolken auf. (Barbara Stix/DER STANDARD-Printausgabe, 22./23.07.2006)

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    Erhitzte Gemüter dürsten in ganz Österreich nach ein wenig Abkühlung. Im ganzen Land können sich Schwimmbäder über eine ausgezeichnete Auslastung freuen. Tropische Nächte (mehr als 20 Grad) bringen nur wenig Erholung im Schlaf.

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