Rumänien: Agenten ohne Chefs

31. Juli 2006, 12:15
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Drei Geheimdienst-Bosse gehen nach Verschwinden von Syrer

Bukarest - Nach dem Untertauchen eines mutmaßlichen syrischen Terroristen sind die Direktoren von drei rumänischen Geheimdiensten zurückgetreten. Kurz vorher hatte Staatspräsident Traian Basescu die drei Chefs – Radu Timofte vom Inlandsgeheimdienst SRI, Gheorghe Fulga vom Auslandsgeheimdienst SIE und Virgil Ardelean vom Nachrichtendienst des Innenministeriums – zum Rapport über das Verschwinden des syrischen Geschäftsmanns Omar Hayssam einbestellt. Hayssam steht wegen seiner mutmaßlichen Verstrickung in die Entführung dreier rumänischer Journalisten 2005 in Bagdad jetzt in Bukarest unter Anklage. Er war in Bukarest verhaftet und im April 2006 wegen Krankheit mit Auflagen freigelassen worden. Nun gilt er als verschwunden.

Die drei Journalisten – Marie Jeanne Ion, Ovidiu Ohanesian und Sorin Miscoci – waren am 28. März 2005 in Bagdad mit ihrem irakischen Begleiter Mohammed Munaf entführt worden. Munaf und Hayssam hatten diese Reise organisiert und finanziert. Nach sechs Wochen gelang die Befreiung der Geiseln, die mit der französischen Journalistin Françoise Aubenas im selben Raum festgehalten worden waren.

Vermittler – Komplize

Hayssam hatte sich der rumänischen Regierung als Vermittler angeboten. Daraufhin wurde er festgenommen. Begleiter Munaf soll inzwischen gestanden haben, die Entführung mit Hayssam organisiert zu haben. Munaf ist seit der Geiselbefreiung in US-Gewahrsam im Irak. Hayssam war den rumänischen Geheimdienstlern und sogar Regierungskreisen seit Langem bekannt. Er lebt seit Vorwendezeiten in Rumänien und betreibt vielfach verzweigte Geschäfte. Journalisten sahen ihn als Mitglied offizieller Delegationen im Flugzeug mit Rumäniens früherem Präsidenten Ion Iliescu.

Die drei zurückgetretenen Geheimdienstchefs Timofte, Fulga und Ardelean waren Parteigänger der 2004 abgewählten sozialistischen Regierung. Basescu wollte sie zwar gleich nach seinem Amtsantritt absetzen. Er verzichtete aber zunächst darauf, mit der Begründung, er wolle die gut funktionierenden internationalen Verbindungen dieser Dienste nicht durch Personalwechsel gefährden. (Kathrin Lauer aus Bukarest/DER STANDARD, Printausgabe, 22./23.7.2006)

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