Starb Mozart an den Folgen eines Aderlasses?

28. Juli 2006, 19:56
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Ihre Fragen zu W.A.M. - Kurt Palm antwortet

Brigitte Fellner fragt, ob Mozart an den Folgen eines Aderlasses starb.

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Der Aderlass gehörte im 18. Jahrhundert zum ärztlichen Behandlungsrepertoire, und soweit man den Briefen der Familie Mozart entnehmen kann, wurden an allen ihren Mitgliedern regelmäßig Aderlässe vorgenommen. Dass diese nicht ganz ungefährlich waren, zeigt ein Brief Leopold Mozarts vom Februar 1764, in dem er schreibt: "da die hiesigen Herren Medici sehr das Aderlassen lieben, so schicken sie manchen durch die Aderlass in die Ewigkeit."

Zur Mozart-Zeit herrschte in der Medizin die Meinung vor, dass man durch Aderlass, Erbrechen und Abführen schädliche "Säfte" aus dem Körper ableiten könne. Leopold Mozart war jedenfalls ein eifriger Verfechter dieser Methoden. Nachdem Mozarts Mutter am 3. Juli 1778 in Paris gestorben war, vermutete Leopold, dass man an ihr den Aderlass zu spät vorgenommen habe. Tatsächlich hatte sich Anna Maria Mozart aber drei Wochen vor ihrem Tod selbst zur Ader gelassen, was allerdings zu einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes führte. Ähnliches traf ja auch im Falle Mozarts zu, der in den letzten Wochen seines Lebens von den Ärzten Dr. Thomas Closset und Dr. Matthias Sallaba mehrmals zur Ader gelassen wurde, was seinen Tod sicherlich beschleunigte.

Offenbar hatten die beiden Mediziner das alte Sprichwort nicht beherzigt, das da lautet: "Wer einen zur Ader lassen will, der muss ihn auch verbinden können." Dass Mozart allerdings an den Folgen der vielen Aderlässe starb, gilt als unwahrscheinlich. (ALBUM/DER STANDARD, Printausgabe, 22./23.7.2006)

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