Islamisten rufen zum "Heiligen Krieg" gegen Äthiopier auf

28. Juli 2006, 16:43
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Addis Abeba bestreitet Entsendung von Soldaten zum Schutz der "Übergangsregierung" in Baidoa

Mogadischu/Addis Abeba - Nach dem Eindringen äthiopischer Soldaten in somalisches Gebiet hat die in Mogadischu herrschende Miliz Union der Islamischen Gerichte zum "Heiligen Krieg" aufgerufen. "Wir werden die Äthiopier besiegen und auch die so genannte (somalische) Regierung, die sie ins Land gerufen hat", sagte Milizenchef Sheikh Sharif am Freitag im somalischen Rundfunk. Auch zahlreiche Prediger in den Moscheen riefen beim Freitagsgebet zum Widerstand gegen die "äthiopischen Besatzer" auf.

Nach Augenzeugenberichten schlugen äthiopische Truppen in Baidoa, dem Sitz der somalischen Übergangsregierung, mehrere Lager auf. Sie seien außerdem auf der Straße gesehen worden, die zur etwa 240 Kilometer entfernten Hauptstadt Mogadischu führt. Nach Informationen des somalischen Rundfunks haben sie etwa 160 Fahrzeuge mit Granatwerfern und anderen schweren Waffen in die Stadt gebracht.

Äthiopische Regierung bestreitet Vorstoß

Die äthiopische Regierung bestritt am Freitag erneut den Vorstoß auf somalisches Gebiet. "Es gibt keine äthiopischen Soldaten in Somalia", sagte der Sprecher des Informationsministeriums, Zemedkun Zeleke, in Addis Abeba. Er warnte jedoch die islamischen Milizen vor einem Angriff auf die somalische Übergangsregierung. "Äthiopien beobachtet die Lage und ist zum schnellen Eingreifen bereit", sagte Zeleke. Nach Ansicht von Beobachtern bedeutet die Intervention äthiopischer Truppen eine weitere Schwächung der Übergangsregierung, der ohnehin vorgeworfen wird, eine Marionette Äthiopiens zu sein.

Die Miliz der Islamischen Gerichte kontrolliert bereits weite Teile Südsomalias sowie die Hauptstadt Mogadischu. Mitte dieser Woche rückten ihre Kämpfer bis auf 60 Kilometer nach Baidoa vor und drohten mit einem Angriff auf die Interimsregierung.

In Mogadischu kam es am Freitag zu einer Demonstration gegen die Islamischen Gerichte. Dabei wurden zwei Menschen von Milizionären erschossen. Die Miliz hat in den von ihr eroberten Gebieten Gerichte nach strengem islamischen Recht eingerichtet. Dies hat international die Besorgnis ausgelöst, in Somalia könnte sich ein Regime nach dem Muster der Taliban in Afghanistan etablieren.

Somalia versank 1991 nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Mohamed Siad Barre in Anarchie, verschiedene Clans kämpfen um die Vorherrschaft. Die mit Hilfe der Vereinten Nationen in Baidoa installierte Übergangsregierung konnte sich nicht durchsetzen. (APA/dpa/AP)

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    Mitglieder der Miliz Union der Islamischen Gerichte mit einem Entwurf für eine neue somalische Fahne.

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