Sturz eines Idols

9. Oktober 2006, 14:54
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Damals, wir schauten angewidert Kate & Leopold, diesen unseligen Film mit der blonden Erzfeindin männlicher Fernsehrunden (zumindest unserer).

Frank hatte Recht. Aber er tötete eine Illusion. Damals, wir schauten angewidert Kate & Leopold, diesen unseligen Film mit der blonden Erzfeindin männlicher Fernsehrunden (zumindest unserer). Tobsucht steht im Raum, neigt sie wässrigen Auges den Kopf: Meg Ryan. Hass.

Die Attraktion des Hässlichen

Die Attraktion des Hässlichen ließ uns an der Handlung kleben, in der ein schöngeistiger, netter, anständiger (...) Adeliger aus dem 19. Jahrhundert, eh klar, durch eine Zeitspalte ins New York von jetzt polterte, damit sich oben genannte eigentlich Unaussprechliche in ihn zutiefst und vollkommen romantisch verlieben konnte. Weil: Süß! Der hat ja gute Manieren! Gänsehaut, aber nicht aus romantischen Gefühlen.

"Das is' ja der Wolverine!" Wie? Wer?

Dann kam es: Frank sagte mittendrin: "Das is' ja der Wolverine!" Wie? Wer? DER Wolverine, der aus X- Men, die Kampfmaschine mit Metallskelett, Held meines Comic-Faibles? Das ist Hugh Jackman, der die Hauptrolle in einer der besten Verfilmungen der letzten Jahre spielte? Ich erkannte ihn nicht, wollte es nicht glauben: Dieser pseudohistorische Softie, dieses Milchgesicht einer schlechten Geschichtsimagination, dieser spätromantische Schnulzenheini? Tatsächlich.

Verdrängungsversuch

Dem Frank werde ich das nie verzeihen. Bei jeder Wiederholung von Kate & Leopold – wie letzten Donnerstag –, die ich im TV- Programm sehe, trifft es mich wie ein Schlag. Bei jedem X-Men-Konsum versuche ich zu verdrängen.

Irgendwie hat aber auch Meg Ryan Schuld, diese ... (DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2006/pum)

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