Gegensteuern

21. Juli 2006, 17:23
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Burnout ist in aller Munde. Haltungsschäden, Rückenprobleme nehmen zu. Woher das kommt, hat sich zu einer populären Denkfigur entwickelt

Gedanken und Gefühle können auf den Körper krankmachend wirken. Wir sagen ja auch, dass "sich etwas auf den Magen schlägt", "im Kopf herumgeistert", "auf der Leber liegt". Verspannungen als Folge von Sachzwängen im beruflichen Alltag sind ein Massenphänomen.

Heiko Ernst, Chefredakteur der Psychologie heute hat dafür kürzlich einen sehr aussagekräftigen Ausdruck geprägt: "Körpervergessene Lebensweise". Dies in einer Gesellschaft, die viel Geld für Kosmetik und Nahrungsergänzung ausgibt. Das Angebot für Wege aus der Einbahnstraße vom psychischen Leid in den Schaden am Körper wächst zwar stark an. Aber: Lässt sich der Wirkungspfeil vom Kopf in den Körper umdrehen?

Ja, sagen die Hirnforscher: Weil wir mit hochgezogenen Schultern, eingezogenem Kopf, verschlungenen Beinen verharren, bleibt auch das Denken blockiert und verkrampft. Die Körperhaltung wirkt zurück auf die Psyche.

Belastende psychische Zustände können also durch Arbeit am Körper ausgeglichen, gemindert werden.

Mit dieser Erkenntnis lässt sich zwar nicht vermeiden, stundenlang in Meetings auf schlechten Stühlen zu sitzen und die Tage in meist schlecht belüfteten Büros oder Seminarräumen zu verbringen. Aber sich einmal zu beobachten und dann einzuüben, schlechte Haltungen zu spüren, aus der "Körpervergessenheit" auszusteigen, sich zu strecken und gerade zu richten könnte verblüffende Wirkungen haben. Auf die eigene Befindlichkeit, die Umwelt und auf die Produktivität. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe 22./23.7.2006)

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