Europa: Wechselbad der Gefühle

26. Juli 2006, 11:06
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Ein Kommentar von Christoph Schaubmayr aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Zu Wochenbeginn setzten sich die Kursverluste der Woche zuvor fort. Dazu haben erneut die Konflikte im Nahen Osten, der Rekordölpreis und Befürchtungen über die vierte Zinserhöhung seit Dezember 2005 beigetragen. Hinzu kam noch, dass etliche europäische Firmen die Gewinnerwartungen der Analysten nicht erfüllen konnten.

Es wird auch weiterhin mit nachteiligen Revisionen in Bezug auf die Gewinnerwartungen gerechnet. Der Stoxx 600 hatte zwischenzeitlich 10% seines Höchststandes vom 9. Mai eingebüßt. In Deutschland ist das Konsumentenvertrauen auf einem Jahrestiefpunkt, hauptsächlich wegen der rekordverdächtigen Treibstoffpreise und angekündigten Steuererhöhungen. Wie schon letzte Woche zählten Versorgerwerte und die Lebensmittelbranche zu den Gewinnern, da sich hier das konjunkturelle Umfeld nicht so sehr in einem abgeschwächten Gewinnwachstum niederschlagen dürfte.

Große Verlierer waren wiederum Technologiewerte, wo die schlechte Jahresperformance weiter anhält. Auch die Wettanbieter mussten starke Kursrückgänge nach den turbulenten Vorgängen beim britischen Konkurrenten Betonsports verbuchen; die Aktie wurde vom Handel ausgesetzt.

Der heftigste Preisrückgang bei Rohöl innerhalb eines Monats verursachte einen zwischenzeitlichen Kursverfall im Ölsektor. Mitte der Woche wiesen die Aktienmärkte zum ersten Mal innerhalb von fünf Tagen wieder Kursgewinne auf. Fed-Chef Ben Bernanke hatte keine weiteren Zinserhöhungen angekündigt, da sich das US-Wirtschaftswachstum abflacht.

Zusätzlich wurde noch angekündigt, dass die Analysten für das Jahr 2006 nicht ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 11% der Stoxx 600 Mitglieder erwarten, sondern mit 12 % rechnen. Die Aktienmärkte konnten somit in 16 von 18 Ländern eine positive Performance aufweisen.

Ende der Woche wurde der Kursanstieg an den Märkten durch enttäuschende Ergebnisse bei Infineon und Ericsson beendet. Aufgrund der anhaltenden Verunsicherung und der negativen Stimmung unter den Anlegern rechnen wir kurzfristig weiterhin nicht mit einer nachhaltigen Kurserholung, sondern gehen auf Wochensicht von einer seitwärtsgerichteten Marktentwicklung aus.

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