Die Meriten des St. Veiter Staffs

21. Juli 2006, 19:49
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Der wie ein Kegel bei St. Veit über das Gölsental aufragende Staff übt eine besondere Anziehungskraft auf die Wanderer aus

Der wie ein Kegel bei St. Veit über das Gölsental aufragende Staff übt eine besondere Anziehungskraft auf die Wanderer aus, obgleich sein Gipfel vollständig bewaldet ist und daher kaum eine Aussicht bietet. Auf der Spitze des Berges stand seit etwa dem Jahr 1100 eine Burg, die das Gölsental an seiner engsten Stelle sperrte. Sehr lange aber bestand sie nicht, denn als Herzog Leopold VI. den Besitz erwarb, ließ er die Festung schleifen und übergab das Gebiet dem Stift Lilienfeld mit der Auflage, dort kein Bollwerk mehr zu errichten.

Goldrausch

In der Bevölkerung kursierte durch Jahrhunderte das Gerücht, in der einstigen Burg seien sagenhafte Schätze verborgen. Immer wieder machten sich "Goldgräber" auf, um dort rasch reich zu werden. Sie fanden nichts, zerstörten aber die letzten Mauerreste und Gewölbe, sodass heute nur mehr kärgliche Spuren zu finden sind. Leider gibt es schon lange keinen Aussichtsturm mehr, dessen Fundamente noch vorhanden sind – er müsste eine grandiose Rundsicht bieten.

Der St. Veiter Staff ist auch berühmt für seine Flora mit vielen Orchideen. So kommen dort alle drei Arten des Waldvögeleins vor, weiters das Waldsteppen-Windröschen, Knabenkräuter und Türkenbundlilie. Es gibt einen Naturerlebnis-Wanderweg.

Am häufigsten steigen Wanderer direkt von St. Veit an der Gölsen über die kleine, idyllisch gelegene Staffhütte auf den Berg, Kenner bevorzugen aber die Route aus dem westlich gelegenen Wiesenbachtal, da sie von freien Flächen Aussicht auf den Gippel und den Ötscher, die Reisalpe und den Türnitzer Höger bietet.

Mit dem Abstieg über die Hütte ermöglicht sich eine kleine Runde. Mit einem offenen und bewirtschafteten Schutzhaus ist allerdings nur an Sonntagen zu rechnen.

Die Route: Nahe dem Hasenwirt im Wiesenbachtal beginnt die blaue Markierung, die kurz über eine Straße, dann an einem Tiergehege vorbei zur Höhe führt. Ab dem Gehöft Hochreiter geht es fast eben zum Oberhauser. Nach der Wiese trifft man auf die rote Markierung, der man ein kurzes Stück nach links folgt. Bald zweigt – Vorsicht: leicht zu übersehen! – nach rechts ein schmaler Steig ab, der schlecht markiert ist (kleine rote Balken auf den Bäumen) und zum Gipfel führt. Gehzeit 1½ Stunden.

In einem steilen, rutschigen Abstieg neben einer Felswand geht es hinunter in einen Sattel, von dort folgt man den roten Marken nach rechts zur Hütte. Gehzeit ab Gipfel eine halbe Stunde. Nun bleibt man noch ein kurzes Stück auf der Route, hält sich dann scharf rechts und steigt (rot markiert) in den Brillergraben ab. Im längeren Gegenanstieg wandert man zum Oberhauser und kehrt auf der Anstiegsroute zum Hasenwirt zurück. Gehzeit ab Staffhütte 1½ Stunden. (Bernd Orfer, Der Standard, Printausgabe 22./23.7.2006)

Gesamtgehzeit 3½ Stunden, Höhendifferenz 450 m. Staffhütte in der Saison an Sonntagen bewirtschaftet. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 56 (St. Pölten); Freytag & Berndt Atlas Wiener Hausberge
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