Teheran fordert Treffen islamischer Staaten wegen Israels Offensive

21. Juli 2006, 15:42
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Ahmadinejad telefonierte mit Erdogan - Iranisches Außenministerium kritisiert EU-Nahostpolitik scharf

Teheran - Angesichts der israelischen Angriffe auf Libanon hat der Iran eine Dringlichkeitssitzung der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) gefordert. Präsident Mahmoud Ahmadinejad habe in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan die islamische Welt dazu aufgerufen, das zu beenden, was er als "Israels Verbrechen" bezeichnete, berichtete das staatliche iranische Fernsehen am Freitag. Derzeit leitet ein türkischer Generalsekretär - Ekmeleddin Ihsanoglu - die 57 moslemische Länder umfassende Organisation.

Seit mittlerweile zehn Tagen bombardiert Israel Ziele im Libanon. Im Gegenzug beschießt die radikal-islamische Hisbollah-Miliz aus dem Libanon israelische Städte mit Raketen. Dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge starben bei den israelischen Angriffen bisher 343 Menschen, die Mehrzahl davon Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 34 Menschen. Auslöser der Kämpfe war die Entführung zweier israelischer Soldaten durch die Hisbollah. Israel begründet die Offensive als Maßnahme zur Selbstverteidigung.

Iran kritisiert EU-Nahostpolitik scharf

Das iranische Außenministerium hat scharfe Kritik an der Haltung der Europäischen Union im Nahost-Konflikt geübt. Die am Montag vom EU-Außenministerrat verabschiedete Erklärung zeuge von einer "politischen Missachtung der vom zionistischen Okkupationsregime begangenen Menschenrechtsverletzungen", heißt es in einem Kommunique des Außenministeriums in Teheran, dessen Inhalt der spanischsprachige Dienst der iranischen Nachrichtenagentur IRNA am Freitag veröffentlichte.

"Die einseitige Stellungnahme zugunsten des Aggressors" werde zweifellos das Ansehen der EU in der Nahostregion nicht vergrößern, so das iranische Außenamt. Die EU-Mitgliedsländer müssten sich den "Verbrechen und dem Terrorismus des Staates des Zionistenregimes gegenüber unschuldigen Personen" entgegenstellen.

Bedauerlicherweise", so das Kommunique, habe die EU die von Israel an "unschuldigen Libanesen und Palästinensern begangenen Massaker" und die Zerstörung der Infrastruktur dieser Länder als "legitimes Recht" Israels bezeichnet, sich zu verteidigen. Damit werde für eine Fortsetzung und Ausweitung der "Aggression" grünes Licht gegeben.

Das Teheraner Außenamt warf zudem der EU vor, sich nicht für die Befreiung von "10.000 Palästinensern und Libanesen aus den Kerkern des Zionistenregimes" einzusetzen, von denen einige schon seit 20 Jahren inhaftiert seien. Auch habe die EU zu den "illegalen Aktionen" Israels gegenüber der gewählte Hamas-Regierung der Palästinenser geschwiegen.

Der Iran fordere die Europäer auf, aus dem Scheitern der USA im Nahen Osten zu lernen, die mit ihrer einseitigen Politik ihr Ansehen in der Region verspielt hätten, wird in dem Kommunique betont. Die EU müsse dem Thema Menschenrechte große Aufmerksamkeit widmen und eine Geste setzen, um Israel in die Schranken zu weisen, dessen Vorgehen die regionale und internationale Sicherheit gefährde. (APA/Reuters)

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