Italienischer Opus Dei-Finanzier ermordet

23. Juli 2006, 19:33
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Verweste Leiche von Gianmario Roveraro bei Parma gefunden - Banker war entführt worden

Rom - Der brutale Mord an dem italienischen Großbankier Gianmario Roveraro, einem bekannten Finanzier mit engen Verbindungen zum Opus Dei, sorgte am Freitag für Aufregung in Italien. Die verweste Leiche des seit 5. Juli verschwundenen 69-Jährigen wurde in der Nähe einer Autobahn nahe der norditalienischen Stadt Parma gefunden. Ein 43-jähriger Finanzberater hatte zuvor den Mord gestanden.

Der 43-jährige Finanzberater dürfte sowohl den Mord begangen haben als auch Drahtzieher der Entführung gewesen sein. Er hatte laut Polizei mit gravierenden finanziellen Problemen zu kämpfen, nach dem eine gemeinsame Immobilieninvestition im Wert von einer halben Million Euro schief gelaufen war. Bei dem Geschäft, in das eine österreichische Gesellschaft involviert war, hatte der 43-Jährige sein Geld verloren.

Roveraro soll nach Angaben des italienischen Wochenmagazins "Panorama" enge Verbindungen zu der 2001 gegründeten Finanzgesellschaft "Austrian International Consulting GmbH" gehabt haben, die in risikoreiche Spekulationen verwickelt sein soll. Die in finanzielle Schwierigkeiten geratene Gesellschaft melde seit Monaten Verluste im Wert von einigen hunderttausend Euro, berichtete "Panorama".

Festgenommen wurden auch zwei Komplizen des Finanzberaters, ein 43-jähriger und ein 50-jähriger Mann, die den Banker während der Entführung bewacht hatten. Beide waren bereits wegen betrügerischen Bankrotts verurteilt worden. Noch unklar ist, warum Roveraro nach der Entführung getötet worden war.

Telefonat aus Österreich

Roveraro hatte seine Frau zuletzt am 5. Juli angerufen und behauptet, er befinde sich in Österreich, ohne jedoch genauere Angaben zu machen. Er wollte noch am selben Tag zurückkehren, ist jedoch nicht zu Hause aufgetaucht. Die Ermittler befürchteten von Anfang an eine Entführung. Rätselhaft war jedoch, dass keine Lösegeldforderung gestellt wurde.

Zwei Tage nach seinem Verschwinden soll Roveraro laut den Ermittlern der Mailänder Immobiliengesellschaft "Alter Sim" ein Fax geschickt haben, in dem er die Mitarbeiter aufforderte, seine Beteiligung an Fonds für einen Gesamtwert von einer Million Euro zu verkaufen. Dieses Fax wurde laut "Panorama" aus dem Büro eines Schweizer Geschäftsmannes in Lugano geschickt. Dem Geschäftsmann hatte Roveraro über eine Londoner Gesellschaft die Gründung der "Austrian International Consulting GmbH" anvertraut.

Die Bankkonten der Familie sind von den Ermittlern eingefroren worden. Die Polizei überprüft auch die Beziehungen Roveraros zum Opus Dei, dem er in den sechziger Jahren beigetreten war. Opus Dei sprach der Familie des Opfers sein Beileid aus. "Wir beten für Gianmario, den Gott bestimmt für seine Güte belohnen wird", so ein Sprecher der Bewegung.

Roveraro, der zu den brillantesten Finanziers in Italien zählte, hatte enge Verbindungen zum Ex-Präsidenten des Lebensmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi. Roveraros Finanzgesellschaft Akros hatte Parmalats Börsengang im Jahr 1990 begleitet. Wegen seiner Beziehungen zu dem 2003 Pleite gegangenen Konzern drohte dem Finanzier ein Prozess wegen betrügerischen Bankrotts. (APA)

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